Von der Europalette zur Wohnlandschaft

Wie ihr aus einigen unserer vergangenen Artikeln bestimmt schon herauslesen konntet, liegt uns das Thema „Nachhaltigkeit“ sehr am Herzen. Deshalb versuchen wir so oft es geht, das Thema Transport mit dem Begriff Nachhaltigkeit zu verbinden. Dabei möchten wir uns jedoch nicht nur auf nachhaltiges Handeln während des Transports konzentrieren, sondern auch auf nachhaltiges Handeln nach dem Transport; und dazu schenken wir dem Begriff „Upcycling“ in regelmäßigen Abständen unsere Beachtung.

 

Upcycling lautet das Zauberwort

Für diejenigen unter euch, die sich jetzt fragen, was es mit „Upcycling“ auf sich hat, hier eine kurze Erklärung: Ähnlich wie das Recycling (das euch sicherlich allen ein Begriff ist), ist auch das Upcycling eine Art der Müllvermeidung. Allerdings wird beim Upcycling das wegzuwerfende Material nicht zu Sekundärrohstoffen wiederverwertet, sondern der „Müll“ wird vielmehr für die Schaffung neuer Produkte verwendet. Dadurch erfährt das Abfallprodukt nicht wie beim Recycling eine Qualitätsminderung, sondern im Gegenteil eine Qualitätssteigerung.

Für alle, die ein nachhaltiges und umweltbewusstes Leben führen möchten, ist Upcycling also eine prima Möglichkeit, um einerseits den eigenen Müllberg zu reduzieren und andererseits Geld zu sparen, indem man den „Wegwerfprodukten“ einen neuen Schliff verleiht und sie in aufgebesserter Form wieder in sein Leben lässt. Da uns dieses Konzept sehr beeindruckt, stand es für uns außer Zweifel auf Upcycling-Produkte zu setzen. Und da wir im Transport-Bereich tätig sind, war es natürlich Gesetz, vor allem Wegwerfprodukte aus diesem Bereich zu upcyclen ;-). Unser größtes Projekt sollte daher ein Paletten-Sofa sein (wer sich übrigens darüber hinaus für das Thema „Upcycling“ interessiert, findet hier ein recht interessantes Buch dazu).

 

Vom Schrottplatz ins Wohnzimmer

Begeistert von der Idee, uns aus ausgedienten Europaletten eine kuschelige Wohnlandschaft zu schaffen, informierten wir uns über das weitere Vorgehen. Bei der Schaffung dieses Sofas ging es uns im Übrigen weniger darum, Geld zu sparen (sicherlich würden wir das nebenbei auch gerne tun – wer nicht?), als vielmehr darum, einige olle Paletten – die ihrerseits in ihren Dienstjahren wahrscheinlich mehr Länder bereist haben als die meisten von uns jemals bereisen werden – vor der Tour auf den Schrottplatz zu hüten und in unser Wohnzimmer aufzunehmen.

Da wir (zum Glück für die Umwelt) natürlich nicht die Ersten waren, die auf eine solche Idee kamen, konnten wir vor Beginn der Bauphase im Internet relativ viel über Paletten-Möbel lesen. Wir brachten zum Beispiel in Erfahrung, dass Holzpaletten frei von Holzschutzmitteln sind und daher keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Darüber hinaus durften wir lesen, dass Paletten-Möbel relativ kostengünstig und zudem sehr pflegeleicht sind. Diese Informationen gefielen uns besonders und für uns war daher umso mehr klar: ein Paletten-Sofa muss her!

 

Los geht’s!

Einige alte Europaletten.

Einige alte Europaletten.

Also machten wir uns auf, um alte Paletten zusammenzusuchen. Wir hatten das Glück, dass unser Nachbar eine Firma hat, die wöchentlich mit Ware auf Europaletten beliefert wird. Wie uns der Nachbar auf Nachfrage erklärte, ist es normalerweise recht schwierig, an Europaletten zu kommen, weil diese immer im Austausch stehen. Es sind sozusagen Pfandgüter. Allerdings meinte unser Nachbar auch, dass jede Palette irgendwann einmal ausgedient hat; nämlich dann, wenn sie nicht mehr der Norm entspricht (also stark beschädigt ist). Glücklicherweise hatte er gerade drei solcher beschädigter Exemplare auf Lager. Bei ihnen war entweder einer der Klötze kaputt oder eine der Latten hatte einen Riss oder oder oder. Da diese drei nicht mehr tauschfähig seien und er mit ihnen somit nichts mehr anfangen könne, war er froh, als wir sie bereitwillig mitnahmen.

P.S. Wenn man nicht gerade einen Nachbar hat, der Paletten besitzt, kann man entweder bei ebay nachschauen oder im Baumarkt oder Möbelhaus nachfragen – dort gibt es in der Regel auch die Möglichkeit, kostengünstig an Europaletten zu kommen. In den meisten Fällen bekommt man die ausgedienten Paletten dort gratis, manchmal muss allerdings auch eine geringe Abnahmegebühr entrichtet werden (hier sollte man aber darauf achten, dass man keinesfalls mehr als 5 € für eine „nicht-tauschfähige“ Palette bezahlt). Wer neue Paletten verwenden möchte, kann hier Europaletten als Neuware erwerben.

Nun aber zurück zu uns. Da wir ein Sofa aus sechs Paletten planten, von denen vier Paletten die Sitzfläche, eineinhalb Paletten die Rückenlehne und eine halbe Palette ein Ablagefach an der Seite bilden sollte, fehlten uns zu unserem Glück weitere drei Paletten. Diese konnten wir nach längerer Suche glücklicherweise kostenlos über Freunde erhalten, was bedeutete, dass es endlich losgehen konnte.

Aber eins nach dem anderen, denn der Bau einer Wohnlandschaft sollte wohl überlegt sein.

 

Die Konstruktionsphase beginnt

Stichsäge-Europalette-bearbeiten

Zunächst zeichneten wir uns einen Plan, wie das Sofa genau aussehen sollte. Dann schnitten wir die einzelnen Paletten mit einer Stichsäge entsprechend zu und stellten das Sofa einmal auf, um zu schauen, ob alles passt. Hier und da musste mit der Stichsäge noch etwas nachgebessert werden, aber im Großen und Ganzen sah das ganz gut aus.

Deltaschleifer-Europalette

Nachdem der Grundriss stand, schoben wir die Paletten wieder auseinander und bockten sie nacheinander auf Holzböcke auf, um sie mit einer Exzenterschleifmaschine abzuschleifen. An empfindlichen Stellen besserten wir teilweise mit einem Deltaschleifer oder schlichtweg mit Schleifpapier nach. Dieser Prozess war eigentlich das Kernstück der Arbeit, da er nicht nur über die spätere Optik des Sofas entscheiden sollte, sondern auch darüber, ob man sich beim Lümmeln auf dem Sofa nachher Holzsplitter einfängt oder nicht ;-).

P.S. Die Maschinen bekamen wir übrigens alle von Opa ausgeliehen ;-). Wer niemanden kennt, der ihm die Werkzeuge ausleihen könnte, kann hier eine sehr günstige Stichsäge finden und eine Schleifmaschine für unter 50 € gibt es hier ;-).

Nachdem alle Paletten gründlich abgeschliffen waren (das dauerte bei den sechs Paletten circa drei Tage), mussten sie gestrichen werden. Hier entschieden wir uns für normale weiße Wandfarbe, weil sie einerseits recht kostengünstig war und wir sie andererseits sehr gut verarbeiten konnten. Die Flächen strichen wir unter Zuhilfenahme einer Farbrolle; für die Ecken und Kanten griffen wir zu einem Heizungspinsel.

Palette mit weisser Farbe anstreichen.

Palette mit weisser Farbe anstreichen.

Da die Farbe alleine allerdings nicht ausreichen würde – sie würde sich beim Abwaschen des Sofas allzu leicht lösen – mussten wir die Paletten darüber hinaus mit durchsichtigem Holzlack bepinseln. Hier reichte uns eine kleine Dose (375 ml) aus, da wir tatsächlich nur die Stellen lackierten, zu denen wir später Kontakt haben würden. Also im Grunde haben wir nur das äußerlich Sichtbare lackiert. Wer noch Holzlack sucht, findet hier ein günstiges Angebot.

Nun waren unsere Paletten insoweit fertig, als dass sie zu einem Sofa verschraubt werden konnten. Dazu fuhren wir die Paletten zunächst in unsere neue Wohnung (das empfiehlt sich, da sich das Sofa an einem Stück nicht transportieren lässt), stellten sie dort wunschgemäß auf, verliehen der Rückenlehne an den Punkten, an denen sie die Wand berührte, Filzgleiter, damit sie keine Abdrücke hinterlässt, hämmerten in die Paletten, die direkt auf dem Boden standen, Filzfüßchen (die gibt es beispielsweise hier zu kaufen), damit sie keine Kratzer auf dem Laminat verursachten und dann konnte unser Sofa auch schon verschraubt werden.

Grundgerüst des Sofas aus Europaletten.

Grundgerüst des Sofas aus Europaletten.

Unter Zuhilfenahme eines Akkuschraubers (den man hier erwerben kann) schraubten wir zunächst die Paletten, die übereinander lagen, zusammen. Dann verschraubten wir die komplette Sitzfläche miteinander. Anschließend schraubten wir die Rückenlehne an die Sitzfläche und zum Schluss war das Seitenteil dran. Das Sofa stand also in seinem Grundgerüst. Fehlten noch die Matratzen und die Kissen.

Die letzten Feinschliffe

Matraze-für-Europalette

Zugeschnittene Matratze für ein Sofa aus Europaletten.

Dazu gilt anzumerken, dass eine Europalette die Maße 120 cm x 80 cm x 15 cm hat. Wir brauchten also zwei Matratzen á 120 cm x 80 cm. Diese schnitten wir uns mit einem elektrischen Küchenmesser aus alten Schlafzimmermatratzen (ca. 20 cm Dicke) zu (alternativ dazu kann man sich natürlich auch hier bereits zugeschnittene Matratzen bestellen). Damit die Matratzen in Zukunft nicht so leicht beschädigt werden würden, haben wir uns zudem hier Matratzenschoner gekauft, die wir auf die Größe der beiden Sitzauflagen anpassten und anschließend über die Matratzen zogen. Nun fehlte nur noch der Bezug. Hierbei entschieden wir uns für normale Spannbetttücher der Größe 90 x 200 cm, die wir anschließend auf die Größe der Sitzauflagen anpassten. Die Sitzauflagen waren also fertig.

Hurra, fast fertig!

Fehlten noch die Rückenkissen. Dazu kauften wir vier ganz einfache Füllkissen der Maße 80 cm x 80 cm. Da diese viel zu weich waren, entschieden wir uns dafür, alle vier Kissen aufzuschneiden und die gesamte Füllung auf drei Kissen zu verteilen. Dadurch wurden die einzelnen Kissen deutlich fester und bequemer. Für 10 € hatten wir drei fabelhafte Rückenkissen (gute und fertige Rückenkissen findet man auch hier). Diese bezogen wir mit Standard Kopfkissenbezügen und den Teil, der unten überstand, legten wir einfach fein säuberlich um und fixierten den Umschlag mit Sicherheitsnadeln. Nun warfen wir noch einige Zierkissen auf die Sofalandschaft, richteten das Seitenteil und die Fächer der Rückenlehne nach unserem Geschmack ein und fertig war unsere Wohnlandschaft aus Europaletten. Nach einem Monat der täglichen Nutzung sind wir jeden Tag auf’s Neue immer noch total begeistert von unserem selbst gebauten und selbst gestalteten Sofa.

Sofa und ein kleiner Tisch aus Europaletten.

Unser Sofa und davor ein kleiner Tisch aus Europaletten.

Fazit

Durch das Upcyclen der Paletten haben wir nicht nur eine nachhaltige und sinnvolle Ressourceneinsparung erzielt, sondern darüber hinaus ein äußerst robustes Möbelstück gewonnen, das sich nach Bedarf und Lust und Laune ganz einfach umlackieren oder umdesignen lässt und somit immer dem Style der Wohnung angepasst werden kann. Ganz begeistert sind wir auch von der Möglichkeit, die Wohnlandschaft bei Bedarf jederzeit ganz einfach erweitern zu können. Dazu bedarf es nur der gewünschten Anzahl an Paletten und Sitzauflagen. Wenn also demnächst mal wieder einer in unserer näheren Umgebung nicht weiß, wohin mit seinen alten Paletten: wir sind garantiert ein willkommener Abnehmer :-).

Falls euch unser Sofa gefällt, freuen wir uns natürlich, wenn ihr fleißig nachbaut und dadurch einen Beitrag zum Erhalt der Umwelt leistet. Hier nochmals die Materialien und die Arbeitsschritte im Überblick:

 

Material:

– sechs Europaletten

– Stichsäge

– Exzenterschleifer + Schleifpapier

– Deltaschleifer + Schleifpapier

– zwei Holzböcke (oder alternativ einfach einige Holzklötze)

– 1 Eimer Wandfarbe

– Pinsel/Farbrolle

– 1 Dose Holzlack

– eine Packung Holzschrauben (an der Stelle gilt: lieber ein bisschen mehr als zu wenig)

– vier Filzgleiter

– acht Filzfüßchen

– zwei Matratzen (je 80 x 120 cm)

– zwei Matratzenschoner (je 80 x 120 cm)

– zwei Spannbetttücher

– vier Füllkissen (beziehungsweise Füllmaterial)

– drei Kissenbezüge

– drei Zierkissen

 

Werkzeug:

– Stichsäge

– Exzenterschleifer + Schleifpapier

– Deltaschleifer + Schleifpapier

– Zwei Holzböcke (oder alternativ einfach einige Holzklötze)

– Pinsel/Farbrolle

 

Arbeitsschritte:

  1. Schritt: Paletten zusammensuchen (z.B. beim Baumarkt).
  2. Schritt: Paletten mit der Stichsäge zuschneiden.
  3. Schritt: Schleifmaschine -> Paletten 1x komplett schleifen.
  4. Schritt: Paletten mit Wunschfarbe streichen.
  5. Schritt: Die Paletten mit Holzlack Lasur behandeln, damit sie abwaschbar sind.
  6. Schritt: Paletten der Sitzfläche miteinander verschrauben.
  7. Schritt: Rückenlehnen anschrauben.
  8. Schritt: Seitenteil anschrauben.
  9. Schritt: Matratzen zurechtschneiden und überziehen.
  10. Schritt: Kissen für die Rückenlehne anfertigen und beziehen.
  11. Schritt: Zierkissen auf dem Sofa verteilen und das Sofa dekorieren.
  12. Schritt: Auf dem neuen Sofa relaxen ;-).

 

It's only fair to share...Share on Facebook0Share on Google+0Tweet about this on TwitterShare on LinkedIn1Pin on Pinterest111Email this to someone

Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare auf "Von der Europalette zur Wohnlandschaft"

Benachrichtige mich zu:
avatar

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Eugen Wolf
Gast
Eugen Wolf
6 Monate 1 Tag her

Sieht gut aus :-)

Jens Szabelski
Gast
Jens Szabelski
5 Monate 2 Tage her

Super Idee könnte mir auch gut vorstellen ein rustikales Bett daraus zu machen !

Anna
Gast
Anna
1 Monat 22 Tage her

Vielen dank für die Informationen, das sieht super aus. Ich gib mir wirklich große Mühe Dinge wieder zu verwenden anstatt sie wegzuschmeißen. Habe schon einige schöne Sachen daraus machen können.

Gruß Anna

wpDiscuz