Ein Backstein wird zur mobilen Campingheizung

Wer häufig unterwegs ist, der hat oft mit zwei wesentlichen Problemen zu kämpfen.

Das erste Problem ist die Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit sammelt sich gerne an den Innenscheiben eines jeden Fahrzeugs an. Diese Feuchtigkeit macht auch vor größeren Campingmobilen, Wohnwagen, und LKWs nicht halt und auch in kleinen und größeren Zelten findet man sie. Sie sammelt sich die ganze Nacht an, um morgens die Innenwände oder Glasscheiben runterzulaufen. Wenn man die angesammelte Feuchtigkeit nicht mit einem Tuch wegwischt – dann hinterlässt sie bereits nach Tagen einen muffigen Geruch und nicht selten auch Schimmel.

Das zweite Problem ist die Kälte. Die Kälte bemerkt man abends noch nicht unbedingt, aber sobald man eingeschlafen ist, breitet sie sich langsam aus. Sei es auf dem Rücksitz, Vordersitz, im Bus eigenen Bett oder im Zelt. Je nach Außentemperatur merkt man die Kälte bereits nach einigen Minuten oder Stunden. Die Ohren fangen an zu frieren, dann die Füße und dann der ganze Körper, bis man aufwacht.

Die zwei erwähnten Probleme kennt jeder, der häufiger im Fahrzeug oder Zelt übernachtet. Dazu zählen häufig Transporteure, Campingmobil- und Wohnwagenbesitzer, Digitale-Nomaden, Camper und Angler. Es gibt sicherlich noch weitere, die kopfnickend zustimmen würden.

Es gibt ohne Zweifel Lösungen, doch: Die eine Lösung zieht zu viel Strom, die andere Lösung verbraucht zu viel Gas und die dritte Lösung heizt gefährlich ein. Aber, es gibt natürlich auch zusätzliche Lösungen, die einfach, günstig und ungefährlich sind. Ihr könnt euch schon denken, über welche Lösung wir hier reden? Bevor ich euch die Lösung näher bringe, erzähle ich euch dazu die Vorgeschichte.

Die Vorgeschichte aus Australien

Wir waren schon längere Zeit mit einem ausgebauten VWT4 Camper in Australien unterwegs. Die letzte Strecke, die wir passiert hatten, bevor wir direkten Kurs Richtung Margaret River aufnahmen um dort im Weingebiet zu arbeiten, war die berühmte, fast 3000 Kilometer lange Nullarbor Strecke. Während wir von der Nullarbor Ebene typisches heißes australisches Wetter gewohnt waren, wurden wir in Margaret River vom Wetterumschwung erst einmal überrascht. Dieses kleine Örtchen lag nämlich angrenzend zum Regenwaldgebiet.  Jedenfalls machten der Regen und die damit einhergehende Feuchtigkeit – die sich nach jeder Nacht im Bus ansammelte – es uns und einigen gleichgesinnten Campern nicht leicht. Da der Ausbau der meisten Campingmobile aus Holz bestand und dadurch für Feuchtigkeit anfällig war, dauerte es nicht lange, bis der Mix aus Feuchtigkeit und Kälte einzelne Stellen mit grünem Schimmel bedeckte. Wir hatten ein ernsthaftes Problem.

Wir suchten eine Lösung für das Feuchtigkeitsproblem. Die erste Lösung, die uns einfiel, lautete: Weiterfahrt in  eine wärmere Regionen. Jedoch benötigten wir die Arbeitstage zur Verlängerung unseres Visums. Die zweite Lösung hätte gelautet, den Motor laufen zu lassen und den Bus öfters durchzuheizen. Diese Lösung schien uns allerdings auf Dauer nicht praktikabel. Bei laufendem Motor zu schlafen ist nämlich nicht nur gefährlich, sondern zudem auch recht kostenintenisv. Die beste Lösung, die uns einfiel, lautete: Gasheizer. Allerdings hatten wir einen solchen nicht dabei und wussten auch nicht, wo wir einen hätten bekommen können. Außerdem war uns bewusst, dass das Nutzen eines Gasheizer in einem so engen Raum ebenfalls nicht ganz ungefährlich sein würde. Also grübelten wir weiter. Schließlich kamen uns Elektroheizung und Heizlüfter in den Sinn. Jedoch befanden wir uns nicht auf einem Campingplatz mit Stromanschluss, sondern standen frei. Also waren auch diese Ideen keine richtigen Lösungen. Diese sollte uns aber beim Arbeiten in den Weinreben kommen.

Alter Backstein als mobile Campingheizung

Alter BacksteinWir gingen unserer Arbeit nach und stutzten einige Weinreben, die sich in der Nähe von gestapelten roten Backsteinen befanden. Die Backsteine zeigten Risse auf, als wären sie über längere Zeit der Verwitterung ausgesetzt gewesen. Sie fanden vermutlich keinen Nutzen mehr. Als ich die Backsteine da liegen sah, musste ich an einen Speicherofen denken, der bei uns zuhause stand. Dieser war nämlich aus roten Backsteinen gebaut worden und eignete sich als Wärmespeicher sehr gut. Bei diesem Gedanken entstand die folgende Idee: Wenn ein Speicherofen, der aus Backsteinen gebaut wurde, für mehrere Stunden die Wärme aus einem Feuer aufnehmen und sie anschließend wieder langsam in den Raum abgeben kann, dann kann es ein einzelner Backstein für einen kleinen Raum sicherlich auch!

Somit nahmen wir einen Backstein vom Stapel und legten diesen hinterher auf einen normalen Gaskocher, um ihn zu erhitzen. Er passte locker auf den Campingkocher, da er nur 24x 12x 6,5cm klein war und wenig Platz einnahm. Nachdem der Backsein einige Minuten später heiß war, ließen wir diesen auf dem Gaskocher stehen.

Backstein als StandheizungDer Backstein erwärmte tatsächlich den kleinen Raum. Innerhalb weniger Minuten durchzog die Wärme unseren Bus und blieb über längere Zeit bestehen. Auch nach einigen Stunden war der Backstein immer noch angenehm warm. Wir waren etwas erstaunt, wie gut unsere Idee funktionierte! Jedenfalls war der Backstein ab diesem Zeitpunkt unser Begleiter. Wir nutzten den Backstein immer dann, wenn wir uns in feuchten oder kalten Regionen aufhielten. Der Backstein gewann für uns an Bedeutung oder wie Louis Kahn es ausdrücken würde:

Selbst ein Backstein möchte etwas bedeuten!

Ein einzelner Backstein reichte also aus, um in einem VW T4 die Kälte und die Luftfeuchtigkeit mit samt Schimmel verschwinden zu lassen. Der Backstein erwies sich als eine zuverlässige und zusätzliche Heizung für unterwegs.

Anwendungsmöglichkeiten des Backsteins

Backstein erhitzenZuerst braucht der Backstein Hitze. Ob man den Backstein vorher auf dem Gaskocher, Elektrokocher oder einem Lagerfeuer erhitzt, ist völlig irrelevant. Hauptsache, es wird dem Backstein Hitze zugeführt, die er gemächlich wieder abgeben kann. Hat der Backstein genügend Hitze aufgenommen, ist er erst einmal viel zu heiß zum Anfassen. Auch zum Abstellen ist er viel zu heiß, weshalb man unbedingt einen Untersetzer – zum Beispiel aus Kork – verwenden sollte. Wer den Backstein benutzen möchte, um sich selbst zu wärmen, der sollte den warmen Stein in ein Tuch einwickeln oder warten, bis er ein wenig abgekühlt ist, um ihn dann an den Körper zu lehnen.

Tipp: Lässt man den Backstein auf dem Gaskocher stehen und führt ihm weiterhin Hitze hinzu, obwohl er bereits heiß genug ist, erwärmt sich der Raum noch schneller.

Wärme für Zuhause: Wenn ihr einen Backstein lieb gewonnen habt und auf seine Wärme zuhause nicht verzichten möchtet, könnt ihr euren Backstein ganz normal auch in einem Backofen, auf einem Gasherd, in der Mikrowelle oder auf einem Elektroherd erhitzen.

Zelt erwärmen: Weitere Verwendungsmöglichkeiten sind zum Beispiel in einem Zelt möglich. Es wird in der Natur zwar nicht immer ein Backstein zu finden sein, aber warum sollte es nicht auch ein anderer Naturstein tun? – Einfach ausprobieren!

Schlafsack wärmen: Solltet ihr in einem Schlafsack schlafen, so könnt ihr vorher einige Steine auf dem Lagerfeuer erhitzen und diese anschließend unter dem Schlafsack in der Erde verteilen. Dadurch habt ihr stundenlang Wärme und müsst nicht auf kaltem Boden schlafen. Natürlich müsst ihr die Steine so platzieren, dass man noch bequem liegen kann :-).

Die Wärme des Backsteins fördert die Gesundheit

Ein Mitreisender hatte eine nicht ansteckende Hautkrankheit (Neurodermitis), die ihn mit häufigem Juckreiz das Leben schwer machte. Aus Zufall bemerkte er den Backstein in unserem Campingmobil und fragte uns, was wir damit im Bus wollten. Daraufhin erzählten wir ihm, dass wir ihn als Heizung verwenden. Er grinste zwar, aber übernahm dennoch unsere Prozedur und besorgte sich einen eigenen Backstein. Einige Tage später berichtete er uns, dass sich seine Hautkrankheit durch die Wärme des Backsteins gebessert hatte. Er war clever und benutzte den Backstein nicht nur, um den Innenraum des Busses zu erwärmen, sondern auch, um die Stellen mit Wärme zu behandeln, die von der Hautkrankheit befallen waren.

Warmer Backstein

Dass warme Steine eine gesundheitsförderliche Wirkung auf den Menschen haben, ist in vielen Kulturkreisen bekannt und die Verwendung stellt eine übliche Praxis dar. So findet man zum Beispiel in Kurorten sehr oft warme Steinliegen oder auch Angebote zu Warmsteinmassagen. Die Wärme der Steine löst hartnäckige Verspannungen und fördert zusätzlich die Gesundheit. Was andere Steine können, kann auch ein Backstein :-).

Welche Steine eignen sich und wo bekommt man diese?

Neben dem Backstein – der auch als Ziegel bezeichnet wird – eignen sich auch der Speckstein oder der Schamottstein als Wärmestein. Da alle Steine eine unterschiedliche Wärmeaufnahme- und Widerstandsfähigkeit haben, gilt es folgende Regel zu beachten: Je größer der Stein, um so länger kann er Wärme speichern und wieder abgeben.Backstein und Schamottestein

Nach unserer Erfahrung ist ein Backstein vollkommen ausreichend. Er hält die Wärme lang genug aufrecht und weist eine gute Stabilität auf. Solltet ihr lieber einen anderen Stein als den Backstein benutzen wollen, raten wir euch, euch zu vergewissern, dass bei eurem Stein neben der Wärmefähigkeit auch eine gewisse Stabilität vorhanden ist.

Die Steine gibt es im Baustoffhandel oder beim Ofenbauer. Wenn euch alte Steine nichts ausmachen, findet ihr natürlich ganz bestimmt auch welche in eurer Umgebung. Achtet jedoch darauf, dass ihr die Backsteine nicht mit einem Klinker verwechselt, da dieser die Wärme schlechter speichern kann.

Meinen individuellen Backstein selber machen

Ihr habt bestimmt bemerkt, dass der Backstein auf den Bildern einen Tragegriff aus Holz beinhaltet und einen kleinen Bulli als Verzierung trägt. Der Hauptzweck des Backsteins ist zwar das Wärmen, aber das heißt noch lange nicht, dass wir diesen nicht individuell gestalten können. Wer also kreativ sein möchte, der kann dem Backstein eine Gravur verpassen. Dadurch wird euer wärmender Backstein einzigartig.

Zusätzlich kann dem Backstein ein Tragegriff hinzufügt werden. Dieser hat den Vorteil, dass man den heißen Backstein einfacher von der Heizquelle nehmen kann ohne sich zu verbrennen. Der Tragegriff kann aus Holz, Metall oder Hartplastik sein, jedoch sollte er Hitze aushalten können und nicht zu heiß werden, damit man den Griff noch anfassen kann.

Backstein mit Verzierung

P.S: Wir haben noch einige Backsteine und Schamottsteine mit fertiger Holzhalterung übrig und können diese gegen einen kleinen Unkostenbeitrag von 10 € zusenden. Wer Interesse an einem behandelten Backstein oder Schamottstein inkl. Holzhalterung hat und diesen als mobile Wärmeheizung für sich selbst nutzen oder an jemand anderen verschenken möchte, der kann uns gerne einen Kommentar hinterlassen, eine E-Mail an kontakt@bringhand.de zusenden oder hier einen bestellen: Wärmestein mit Henkel.

Alternative mobile Heizungen

Neben der Idee des Backsteins gibt es – wie bereits erwähnt – weitere Wärmeheizungen, die man zusätzlich zum Aufwärmen nutzen kann.

Gasstrahler: Der Gasstrahler ist ziemlich weit verbreitet, da er die gleiche Gaskartuschen benötigt wie der Gaskocher. Die Funktion ist recht einfach: Man legt eine Gaskartusche ein und schon kann man mit dem Heizen loslegen. Man sollte dabei aber gut aufpassen, dass sich nichts Brennbares in der Nähe befindet.

Gaskocher mit Heizaufsatz: Wer bereits einen Gaskocher hat, der kann sich zusätzlich einen Heizaufsatz kaufen. Der Heizaufsatz wird einfach auf den Gaskocher aufgesetzt und schon kann man mit dem Wärmen beginnen. Eine recht einfache und gute Lösung.

Gasheizung: Die Gasheizung ist eine weitere Möglichkeit, um sich warm zu halten. Das Besondere an dieser Heizung ist, dass sie Sicherheitseinrichtungen integriert hat und zum Beispiel bei Sauerstoffmangel von selbst ausgeht. Geheizt wird ebenfalls mit Gas aus einer Gasflasche.

Heizlüfter: Der Heizlüfter funktioniert nur mit Strom, daher sollte man genügend Power besitzen, um damit zu heizen. Wie der Name schon sagt, bläst der Heizlüfter heiße Luft in den Raum und hält somit warm. Er ist gut geeignet, um einen Raum schnell warm zu bekommen.

Petroleumheizung: Diese Heizung ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, um sich bei kalten Nächten warm zu halten. Geheizt wird mit Petroleum, das man in Kanistern kaufen kann. Die Petroleumheizung ist nicht sehr groß und daher gut für Leute geeignet, die unterwegs sind.

Schlafsack: Wenn man keine mobile Heizung vor Ort hat, dann sollte man wenigstens einen Fünf-Jahreszeiten-Schlafsack besitzen. Dieser hält einen auch bei hohen Minusgraden warm und kuschelig.

 

Fazit

Wir haben bereits mehrere mobile Heizungen ausprobieren dürfen. Dabei mussten wir feststellen, dass man am besten wegkommt, wenn man auf einen Mix aus warmen Bettsachen, warmer Kleidung, einem warmen Backstein ;-), einer kleinen Heizung oder einem Lagerfeuer zurückgreift. Wie ihr euch im Endeffekt warm haltet, könnt nur ihr selbst entscheiden.

Wir hoffen jedenfalls, dass wir euch einen zusätzlichen tollen Tipp geben konnten. Sollte es demnächst nachts mal wieder kälter werden, dann zündet eine Feuerquelle an und wärmt euch an einem aufgeheizten Backstein.

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6 Kommentare auf "Ein Backstein wird zur mobilen Campingheizung"

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Thomas
Gast
Thomas
2 Monate 5 Tage her

Hallo!

Vielen Dank für diesen höchst interessanten Text! Wir werden die Backsteinheizung, sobald es etwas kälter wird, ausprobieren und eigene Erfahrungswerte sammeln wie gut es funktioniert.

Bisher haben wir uns mit einer kleinen Box mit Kerzen etwas warmgehalten wenn die Temperaturen im Autoinneren um den Gefrierpunkt waren.

Viele Grüße von den weltreisenden Caddy-Campern.

Thomas

Manu
Gast
Manu
2 Monate 1 Tag her

Jippi! Endlich eine günstige, sinnvolle, halbwegs nachhaltige und schicke Lösung, um es ein bisschen wärmer im Bulli zu haben. Ich hätte sehr gerne einen von euren Steinen mit Halterung, am liebsten einen schönen roten :)
Lieber Gruß
Manu

Elke
Gast
Elke
1 Monat 26 Tage her

Danke für den tollen Tip….Ich hätte sehr gern auch einen schönen roten Backstein mit Griff 😉

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