Bußgelder und Strafzettel aus dem Ausland – bezahlen oder vermeiden?

Wer viel herumreist, wird früher oder später einen Strafzettel im Ausland kassieren. Dies passiert schneller als man denkt, wenn man zum Beispiel zu schnell gefahren ist, falsch geparkt hat, vergessen hat eine Vignette zu kaufen oder eine Maut zu bezahlen. Die erste Reaktion auf so einen Strafzettel stößt auf Unverständnis und man ärgert sich oft grün und blau über die als Ausländer oft als absurd empfundenen hohen Geldforderungen.

Das hinterlässt beim Reisenden fast immer einen bleibenden Eindruck über das bereiste Land und und dieser Eindruck ist meist eher negativ belastet. So bleibt ein Land einem Reisenden nicht selten als Abzockernation in Erinnerung, die er nicht mehr so schnell besuchen wird. Das Dumme daran ist, dass mittlerweile fast alle westlichen Nationen dieser Welt auf den Geschmack gekommen sind und viele Kommunen auf diese extra Einnahmen nicht verzichten möchten.

Allerdings muss man – und das sei an dieser Stelle betont – um ein Bußgeld zu kassieren nicht unbedingt ins Ausland reisen, denn alleine Berlin nimmt durch Bußgelder mehr als 70 Millionen Euro jährlich ein. Eine horrende Summe, wie wir finden.

Was also tun als Reisender, um Bußgeldern aus den Weg zu gehen?

Die Regeln hören sich eigentlich einfach an: man sollte nicht zu schnell fahren, nicht falsch parken und die Maut immer entrichten, um dem Knöllchen aus dem Weg zu gehen. Hört sich in der Theorie zwar einfach an, ist aber in der Praxis dann doch nicht immer ganz so einfach einzuhalten ;-).

Tempolimit im Ausland beachten

So folgen Verkehrsschilder manchmal so dicht aufeinander, dass man mit dem Schalten und Bremsen kaum hinterherkommt. Ebenso wie man manchmal als aufgeregter und die Landschaft bestaunender Tourist Verkehrsschilder schlicht übersieht und somit unfreiwillig in sein Malheur rennt.

Manchmal ist es aber auch so, dass man die Tempolimits zwar kennt, aber durch drängelnde Einheimische dann doch verführt wird, das Limit zu brechen. Für diesen Fall raten wir euch, auch wenn sich die Einheimischen hinter einem stauen und einem schonmal den Vogel zeigen, standhaft zu bleiben und sich an das Tempolimit zu halten. Schließlich ist ein motzendes Gesicht im Rückspiegel günstiger anzusehen als eine Strafsumme auf dem Bußgeldbescheid.

Tipp: Wenn man bezüglich der Tempolimits übrigens ab dem ersten Urlaubstag auf Nummer sicher gehen will, empfiehlt es sich, sich vorab im Netz über die Geschwindigkeitsbegrenzungen für das jeweilige Land zu informieren.

Tempolimit im Ausland einhalten

Falschparken und Strafzettel im Ausland vermeiden

Auch mit dem Falschparken ist es so ne Sache. Eigentlich klingt es theoretisch nach keiner allzu großen Herausforderung, sein Auto richtig zu parken. Aber in der Praxis sieht das schon anders aus. Wenn man fremd in einem Land ist, versteht man oft die Sprache und somit die Aufschrift auf den Parkschildern nicht. Parkscheibe oder Parkschein? Parklimit? Ein kleines Bildchen dient manchmal als Erklärungshilfe, allerdings sind Bildchen eher die Seltenheit. Daher raten wir euch zu einer Übersetzer-App zu greifen und die Aufschrift zumindest grob zu übersetzen, damit ihr ungefähr wisst, was es beim Parken zu beachten gilt.

Des Weiteren raten wir euch davon ab, an Plätzen zu parken, auf denen keine eindeutigen Angaben zur Parkzeit/Parkerlaubnis zu finden sind. So haben wir uns einmal in Norwegen auf einen Parkplatz gestellt, auf dem weit und breit kein Schild hinsichtlich Parkerlaubnis zu sehen war. Überglücklich, einen Parkplatz in der Stadt gefunden zu haben, zogen wir los. Doch als wir wiederkamen, war all die Euphorie dahin. Ein gelber Strafzettel blitzte uns schon Weitem entgegen.

Aus dieser Erfahrung lernten wir, dass es sich in touristischen Hochburgen lohnt, ein Parkhaus mit Schranke anzufahren, da Parkplätze im Ausland oft von mehreren Firmen verwaltet werden können und man verschiedene Tickets dafür braucht. Verwendet man ein falsches Ticket oder gar kein Ticket, weil nirgendwo ersichtlich ist, dass man eines braucht, kassiert man oft einen Strafzettel und ist somit deutlich teurer ab als man es mit einem Parkticket gewesen wäre.

Tipp: Wenn ein Parkhaus vorhanden ist, dann dieses immer einem normalen Parkplatz vorziehen, auch wenn es etwas teuerer ist. Es lohnt sich, so entgeht man nicht nur Strafzetteln, sondern auch Diebstählen, weil die Parkhäuser meistens überwacht sind.

Maut im Ausland bezahlen

Auch hinsichtlich der Maut sollte man sich vor der Einreise in ein Land ausführlich informieren, da jedes Land andere Bestimmungen hat. So bekommt man zum Beispiel in der Schweiz gleich bei der Überfahrt über die Grenze eine Vignette verkauft, die dann ein Jahr gilt. In Norwegen hingegen, passiert man die Mautstationen und zahlt im Nachhinein entweder an der nächsten Tankstelle oder wartet, bis die Rechnung per Post zu einem nach Hause geflattert kommt.

In einigen Städten Australiens findet man ebenfalls wie in Norwegen vollautomatische Mautstellen. Wenn man diese passiert, werden die Fahrzeugschilder von den Kameras fotografiert. Alle Durchfahrten werden für einen bestimmten Zeitraum zusammengefasst und in einer Rechnung zugeschickt.  In Dänemark entrichtet man die anfallende Maut an der Öresund-Brücke an Mautschaltern, wobei vielfältige Zahlungsarten angeboten werden.

Wie man an den wenigen Beispielen sieht, wird die Entrichtung der Mautgebühren von Land zu Land unterschiedlich geregelt und erfordert somit ein genaues Einholen von diesbezüglichen Informationen seitens der Reisenden.

Kleiner Tipp, was die Vignetten betrifft: Wer bereits eine hat, sollte unbedingt regelmäßig auf das Ablaufdatum achten. Denn auch für das Bereisen eines Landes mit abgelaufener Vignette können bei Ahndung hohe Kosten entstehen.

Und noch ein Hinweis für das Passieren der Mautstationen: Man sollte beachten, dass erneute Durchfahrten häufig erneut bezahlt werden müssen. Das bedeutet, wenn man sich verfährt und aufgrund dessen wenige Minuten später nochmals die selbe Mautsation passiert, dann bezahlt man – unter anderem in Norwegen – erneut Maut.

Automatische Maut im Ausland

Strafzettel aus dem Ausland mit ausländischer Währung bezahlen.

Hat man im Ausland einen Strafzettel kassiert, dann kann man diesen oft manchmal direkt bezahlen oder später überweisen. Manchmal kommen die Bußgelder auch Wochen später mit der Post an, wenn der Urlaubstrip schon längs vorbei ist.

Ob man diese Strafzettel dann bezahlt, ist letztlich jedem selbst überlassen. Wer nicht bezahlt, riskiert jedoch die eine oder andere Mahnung mit höheren Beträgen. Außerdem kann das Bußgeld bei erneuter Einreise evtl. eingefordert werden, sofern es noch nicht verjährt ist.

Wenn man sein Bußgeld bezahlen und weiterem Ärger aus dem Weg gehen möchte, kann man den Betrag ganz normal in der jeweiligen ausländischen Währung Überweisen. Die meisten Banken bieten Auslandsüberweisungen in ausländischen Währungen an und führen den Auftrag nach einiger Zeit aus.  Dabei wird ein festgelegter Wechselkurs für die jeweilige Währung an dem Überweisungstag festgelegt.

Bei einer Auslandsüberweisung in fremder Währung entstehen allerdings häufig zusätzliche Gebühren. Bei der Überweisung sollte man beachten, dass die extra Gebühren vom eigenen Konto abgezogen werden sollten und nicht mit dem Empfänger geteilt werden sollten, da ansonsten ein kleinerer Betrag beim Empfänger ankommt. Dies könnte zu weiteren Nachforderungen führen.

Tipp: Wenn man ein Bußgeld direkt im Ausland vor Ort bezahlen kann, dann sollte man dies tun. So spart man sich Überweisungs- und Wechselgebühren später bei der eigenen Bank.

Beispiel: Strafzettel wegen Parken aus Bergen in Norwegen

Wie schnell man einen Strafzettel im Ausland kassieren kann, zeigt unser eigenes Beispiel aus Norwegen.

Wir waren im Jahr 2017 in Norwegen unterwegs und statteten der schönen Stadt Bergen einen Besuch ab. Dabei war es bereits 18 Uhr und wir suchten einen Parkplatz für unser Fahrzeug. Da unser Bulli mehr als zwei Meter Höhe betrug, konnten wir kein Parkhaus finden, in welches wir reinfahren konnten. Also suchten wir weiter. Nach einer halben Stunden hin und her, zahlten wir zusätzlich zweimal Maut, weil wir aus Versehen einmal abgefahren sind und wieder zurück mussten und erneut die Mautstation passierten.

Irgendwann fanden wir endlich einen Parkplatz auf dem Einheimische, Ausländische und Camper herumstanden. Da wir uns unsicher waren, ob man hier stehen durfte, weil einige Fahrzeuge anscheinend von der Kommune irgendwelche Parkscheine hinter der Glasscheibe liegen hatten, suchten wir nach Verbotsschildern zum Parken, fanden aber keine, genauso gab es keine Automaten, um ein Parkticket zu lösen.

Zusätzlich fragten wir Einheimische, ob man hier den Parken darf. Diese wussten es auch nicht genau, aber jeder tat es trotzdem. Also dachten wir, da es eh schon abends war und wir nur für maximal zwei Stunden parken wollten, sollte das gut gehen, denn hier gab es ja wie gesagt keine Verbotsschilder und Ticketautomaten. Falsch gedacht!

Als wir von unserem Städtespaziergang zurückkamen, war ein Strafzettel an der Scheibe, wegen Falschparkens. Die Forderung belief sich auf 600 NOK, was zu der Zeit soviel wie circa 65 Euro war. Warum das ein Falschparken war, wissen wir bis heute nicht und man kann es jetzt als Falschparken hinnehmen, weil in Norwegen entweder extra Regeln für das Parken gelten oder auch nicht.

Ein Strafzettel aus Bergen

Fazit zu Bußgeldern aus dem Ausland

Keiner möchte Bußgelder als extra Souvenir mit nach Hause nehmen. Aber leider lässt es sich manchmal nicht vermeiden, obwohl man sich an alle Verkehrsregeln gehalten hat. Wenn man im Voraus weiß, dass ein Bußgeld gerechtfertigt war, dann sollte man die Gesetze achten und sein Bußgeld bezahlen, auch wenn das Ausland dies in der Heimat nicht immer einfordern kann.

Gegen ungerechte Bußgelder sollte man natürlich Widerspruch einlegen bis eine eindeutige Erklärung folgt, warum ein Bußgeld verhängt wurde. Denn man sollte nicht immer jede Strafe hinnehmen. Manchmal ist diese nämlich auch ungerechtfertigt.

(*Infos zu Bußgeldern in Europa findet man in dem links vorgestellten Buch / Verkauf bei Amazon)

An der Stelle sind wohl auch die Regierungen und Kommunen gefragt. Macht man mit Bußgeldern bei Touristen, die vielleicht wegen Unkenntnis einen Strafzettel kassiert haben, gute Werbung für den jeweiligen Ort? Die Kommunen sollten in touristischen Hochburgen darauf achten, dass man die Touristen auf vier Rädern im Voraus besser aufklärt, damit diese ihren Aufenthalt ohne Bußgelder genießen und nächstes Jahr wiederkommen.

Wie immer freuen wir uns über eure Kommentare und Erfahrungen zu diesem Thema.

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