Auf der Weltreise in einem selbst ausgebauten Expeditionsmobil

Die Welt mit einem Expeditionsmobil entdecken, den eigenen Horizont erweitern, die Grenzen pushen, Dinge mit eigenen Augen sehen und nicht zuletzt die Welt davon teilhaben lassen. Seit mehr als zwei Jahren sind wir, Ann-Katrin und Jörg, in einem alten Laster unterwegs, um genau dies zu tun. Im Grunde genommen ist es alles ganz leicht. Plan machen, los ziehen, Plan umwerfen und auf den Umwegen die tollsten Erfahrungen machen. Als Gastautoren freuen wir uns umso mehr euch von unserem Zuhause und den eigenen Erfahrungen berichten zu dürfen.

Expeditionmobil durch Kirgistan

Für die Weltreise wird ein LKW Robur zum Expeditionsmobil

Die ganze Geschichte ist mittlerweile ganz schön lang geworden. Alles begann vor mehr als zehn Jahren, als wir zusammen saßen und beschlossen, für etwas längere Zeit reisen zu wollen. Zeitraum und Ziel waren schnell gefunden, dass wir mit dem Auto fahren wollten, stand eh fest. Nur Budget und Fahrzeugumbau haben uns etwas mehr Zeit gekostet. Das Budget haben wir uns zusammen gespart und leben seither davon. Die Wahl des Fahrzeugs war ebenfalls recht einfach, da ich den Robur schon seit vielen Jahren kenne und seine Qualitäten zu schätzen gelernt habe.

Über Umwege standen zeitweise zwei von diesen schönen Weggefährten auf unserem Hof. Das jetzige Fahrgestell war letztlich eine Standard Militärpritsche mit Allrad und Seilwinde und scheinbar defektem Motor. Dem Fahrgestell haben wir nur einen neuen Motor und einen neue Pritsche samt Zwischenrahmen verpasst. Die Fahrerkabine wurde innen etwas umgebaut und schallgedämmt und ist sonst weitestgehend original geblieben.

Die günstigste Lösung, um einen Koffer auf die Pritsche zu bekommen, war es, einen Wohnwagen darauf zu setzen. Mehr braucht man ja eigentlich nicht, um Reisen zu können. Noch fix Toilette, Bett, Sitzgruppe und ein Holzofen und wir waren August 2015 mit halbfertigem Auto auf der Straße.

Ein ungeplanter erste Aufenthalt bringt neue Freunde an der Grenze zu Bosnien

Kein einziges Visa war im Pass und unsere grüne Versicherungskarte abgelaufen. Schon an der ersten europäischen Grenze war dann Schluss und wir haben uns den grünen Schein nach Kroatien schicken lassen müssen, um nach Bosnien einreisen zu können. So sind wir an Ivan geraten. Einer der unzähligen netten Menschen, die wir auf dieser Reise kennenlernen durften. Auf seinem Camping haben wir nach Saison geholfen einen Grill zu bauen, viel getrunken und ganz nebenbei Zeit bekommen, um unser Auto etwas weiter zu bauen.

Expeditionsmobil inklusive Moped

Eine erste Kostprobe vielleicht auf das, was auf uns zukommen sollte – unendlich viele nette Begegnungen und bei Problemen immer eine völlig unbekannte helfende Hand. Bei Ivan habe ich das Moped zusammen geschraubt, das wir in Einzelteilen auf dem Weg aus Deutschland heraus bei Kleinanzeigen gekauft hatten. Gewicht, das wir das nächste Mal wahrscheinlich zu Hause lassen würden, denn das Moped haben wir fast nie gebraucht. Bedankt haben wir uns bei Ivan und seiner Frau ganz klassisch mit selbst gebackenem Apfelkuchen.

So wird unterwegs im Fahrzeug gekocht

Kochen tun wir eigentlich auf einem ganz normalen dreiflammigen Gasherd. Zum Backen stellt Ann-Katrin einen Coleman Faltbackofen darauf und ist sehr zufrieden damit.

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Nur für Pizza reichen die Temperaturen leider nicht aus. Dafür reichen zwei Standard 5 kg Gasflaschen aus dem Baumarkt. Mit den richtigen Adaptern geht das Befüllen im Ausland halbwegs problemlos und solange man nicht damit heizt, reicht es auch recht lang. Aber hier spielt wiederum der Faktor Zeit eine große Rolle. Mit einer Flasche kommen wir gut zwei Monate über die Runden. Das gibt uns genügend Zeit, um Ausschau nach der richtigen Füllstation zu halten, denn mit Sicherheit wird man nicht genau das finden, was man gerade sucht.

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Dafür läuft einem aber mit Sicherheit etwas anderes von der Liste über den Weg. So streunert man halt gerade durch die Gassen einer iranischen Kleinstadt, auf der Suche nach dem richtigen Kleber um seine Scheiben neu abzudichten und es fällt einem das handgeschmiedete Fleischmesser in die Hände, wonach man schon ewig gesucht hatte. Da nimmt man eben, was man kriegen kann. Auf einem iranischen Bazar ist eh Hopfen und Malz verloren, wenn man keine Zeit hat oder irgendetwas ganz bestimmtes sucht.

Iran – ein gastfreundliches Reiseland

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Eigentlich tritt man nur an einer beliebigen Stelle ein und wird an einer völlig ungewissen Stelle nach ungewisser Zeit wieder ausgespuckt. Die Zeit dazwischen ist sagenhaft und unbeschreiblich. Genau so wie das Land selbst. Nie haben wir eine solche Gastfreundschaft, Herzlichkeit und auch Sicherheit verspürt wie im Iran.

Überraschenderweise war sogar die Wassersuche in diesem vermeintlich trockenen Land gar keine richtige Suche. In jeder noch so kleinen Stadt gibt es einen Stadtpark mit kostenlosem Trinkwasser und Toiletten.

Unterwegs Wasser tanken, um das Reisen fortzusetzen

Dort haben wir einfach unseren 180l Wasservorrat aufgefüllt, mit dem wir fast zwei Wochen überbrücken können. Das Wasser wird bei uns dreistufig gefiltert und sowohl als Brauchwasser als auch als Trinkwasser verwendet. So können wir unser Wasser an öffentlichen Brunnen und Quellen auftanken, die es fast überall gibt und müssen uns keine Flaschen zum Trinken kaufen.

Wasser unterwegs finden und Wasserkanister auffüllen

Einzig in Kasachstan und der Mongolei mussten wir unser Trinkwasser kaufen. In Kazachstan weist das lokale Wasser immer noch Spuren von „Agent Orange“ auf. Ein Gift, das die Sowjets zum Entlauben der geplanten Baumwollplantagen nutzten und die Amerikaner zum Entlauben von Vietnam während des großen Krieges dort.

Beider Orts leiden die Menschen noch heute. In der Mongolei hingegen holen die Menschen ihr Wasser aus kleinen Wasserhäusern an denen 100l Trinkwasser ca. 0,10 € gekostet haben.

In den Weiten des Landes waren wir auch sehr froh, so viel dabei haben zu können. Nachdem wir weit im Westen des Landes Flüsse von gut einem Meter Tiefe durchquert hatten, kam ein sehr langer, sehr trockener Abschnitt. Genau dort ist uns dann eine Feder an der Vorderachse gebrochen.

Mit dem Expeditionsmobil durch die Wüstenlandschaften

Die paar extra Tage, weil wir über tausende Kilometer nicht schneller als 30 fahren konnten, ließen sich so ganz gut überbrücken. Unser Wasserverbrauch ist nicht sehr hoch, auch weil unsere Toilette kein Wasser braucht.

Eine Solaranlage liefert Strom für Wasserpumpe, Kühlschrank und Entlüfter

Wir haben eine Trockentoilette nach nordischem Vorbild eingebaut, die über einen PC-Lüfter permanent entlüftet wird. Das System ist einfach und hat sich hervorragend bewährt. Den Strom dafür produzieren wir ausschließlich über eine Solaranlage auf dem Dach. Mit insgesamt 220AH Batteriekapazität hatten wir auch noch nie Versorgungsengpässe um Licht, Wasserpumpe und Kühlschrank zu ebendiesem Lüfter zu betreiben.

Sicherheit, ein wenig Luxus und neue Bekanntschaften

So ausgestattet fahren wir auch in Städten in aller Regel meist nur auf einen bewachten Parkplatz, anstatt auf einen Campingplatz – falls es so etwas überhaupt gibt. Östlich des Bosporus sind diese jedenfalls sehr spärlich gesät.

Hin und wieder gönnen wir uns jedoch den Luxus, uns auf dem Parkplatz eines Hostels breit zu machen, um dort unsere Wäsche in einer richtigen Waschmaschine zu waschen. Handwäsche und Wäschetonne auf dem Dach sind immer noch jede Menge Arbeit mit eher dürftigem Ergebnis.

Begegnungen mit anderen Reisenden führen zu Wagenburgen

Außerdem trifft man so auch mal ein paar andere Reisende, denn diese wenigen Hotspots sprechen sich ziemlich schnell herum und manchmal entstehen dort gute Freundschaften und wunderbare Erinnerungen.

Wagenburgen aus Expeditonmobil Camper

Ansonsten spielt sich das Leben eigentlich in der Natur ab. Fernab der Zivilisation kommen die eigentlichen Vorteile eines halbwegs autarken Wohnmobils erst richtig zum Vorschein. Es ist schön, wenn man einfach eine Woche im russischen Altai stehen bleiben kann, obwohl man nur einen Tag geplant hatte. Pläne sind ja schließlich zum Umwerfen da und Umwege mitunter die schönsten Wege. So haben wir uns in der Mongolei dazu entschlossen, einen Umweg über Europa zu fahren und unsere Reise erst einmal dort fortzusetzen. Die paar tausend Kilometer auf den guten Straßen Sibiriens sind schließlich schnell gefahren.

Was uns auf dem Weg durch Russland alles widerfahren ist und wie die Reise weiter geht, dürft ihr in den nächsten Beiträgen auf saltedlife.org lesen.

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