23 Tage Kuba

Kuba war ganz anders als alles, was wir bisher auf unserer Weltreise erlebt hatten. Es war für uns ein Land voller Gegensätze! Wir bereisten das Land auf eigene Faust, buchten selbst die Transportmittel, schliefen in privaten Unterkünften und kochten selbst unser Essen. Dabei war Kuba auf eigene Faust als digitaler Nomade schwer zu bereisen. An ein Arbeiten online am Laptop war nicht zu denken und die Kultur war zu Beginn ebenfalls schwer einzuschätzen. Wir dachten, dass uns nach Asien nichts mehr schocken kann, aber in Kuba erlebten wir einen weiteren Kulturschock, den wir so noch nicht kannten, der uns sogar an unsere Grenzen brachte und der uns fast dazu brachte, früher aus dem Land auszureisen. Aber dazu später mehr!

Kuba ist auf jeden Fall einzigartig in der Welt! Das liegt sowohl an dem Mix der Menschen als auch an der herrschenden sozialistischen Regierung und dem Embargo der USA. Die Bevölkerung in Kuba setzt sich aus ehemaligen Spaniern, die in der Kolonialzeit eingewandert sind und ehemaligen afrikanischen Sklaven, die aus Afrika verschleppt wurden, zusammen. So bildete sich hier in den Jahrhunderten eine eigene Kultur heraus. Viele Menschen in Kuba sind schön und sehen gesund aus. Der Laufstil ist gerade und das Kinn liegt hoch, fast schon so hoch, dass es an Arroganz grenzt. Der Stolz der Bürger ist unverkennbar und auch nach jahrzehntelangem Embargo der USA anscheinend nicht zu brechen. Die Revolution von 1959 liegt schon Jahrzehnte zurück und dennoch ist sie durch Abbilder und Slogans so lebendig, als wäre sie gestern gewesen.

Das Leben in Kuba spielt sich draußen ab! Menschen sieht man von früh morgens bis abends und tief in der Nacht auf den Straßen und in den Parks. Es geht gemächlich zu. Die einen schleppen ihre Einkäufe von den wenigen Geschäften oder Wochenmärkten heim, andere wiederum versuchen mit kleineren Spachtelmaßnahmen ihre ruinenartigen Häuser einigermaßen in Schach zu halten und wieder andere reparieren auf offener Straße ihre uralten Fahrzeuge, damit diese noch einige Kilometer fahren können. Kuba ist so, als hätte die Zeit nur für dieses eine Land in der Welt aufgehört zu ticken. Es ist definitiv eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise fünfzig Jahre zurück. Was für den einen Reisenden aus der modernen Welt romantisch und abenteuerlich klingt, kann für den anderen eine Herausforderung sein. Denn in Kuba ist nicht nur alles total veraltet, sondern sehr viele Dinge funktionieren anders, sind sehr kompliziert oder laufen überhaupt nicht.

Die Kubaner lächeln nicht und fremde grüßen sie schon einmal gar nicht, obwohl die Häuser offen stehen und man in jedes Wohnzimmer reinschauen kann. Das Leben in den Häusern ist von der Straße aus für fast jeden sichtbar. Es geht gemeinschaftlich zu, so als ob jeder sagen würde „Mein Haus ist auch dein Haus“. Ständig sieht man Kubaner an irgendeinem Fenster beim Nachbarn hängen und den neusten Klatsch und Tratsch erzählen und wenn es nicht am Fenster ist, dann eben in den Parks oder an den Bushaltestellen. Die Menschen spielen häufig Schach oder Domino in den Parks oder irgendwo einfach auf einer Treppe. Die Kinder spielen draußen Fangen oder bekritzeln die Böden mit Kreide. Dieses offene, friedliche und gemeinschaftliche Leben in Kuba blieb nur dadurch erhalten, weil Kuba von der Welt abgeschottet ist. So viel gemeinschaftliches Leben haben wir in keinem anderem Land zuvor gesehen. Dennoch ist es paradox, dass die Kubaner nicht lächeln und einen nicht grüßen. Ein Grundschullehrer, der in eine neue Schule versetzt wurde, sagte uns, dass er einen Monat brauchte, bis die Eltern, die ihre Kinder in die Schule brachten, ihn jeden Morgen grüßten. Irgendwann trafen wir ebenfalls vereinzelten Kubaner abseits des Tourismus, die uns grüßten und anlächelten. Wir ahnten schon, dass der Tourismus den Kubanern zwar Geld aber ansonsten nichts Gutes bringt!

Die Risse in Kuba, die durch die Gesellschaft gehen, sind unverkennbar. Denn es gibt immer mehr reiche Kubaner, die vom Tourismus profitieren und gleichzeitig gibt es unglaublich arme Kubaner, die um ihr Überleben kämpfen müssen. Kuba hat nicht nur zwei Währungen, sondern mittlerweile auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es herrscht eine absurde Situation in Kuba, die auch Reisende in ihre Mangel nimmt. Jeder will in Kuba vom Tourismus profitieren. Es herrscht Goldgräberstimmung und der Tourist ist der Geldesel im Land. Kuba ist ein sozialistisches Land, das den Kapitalismus ideologisch ablehnt, aber dennoch einen großen Hunger danach hat. Der Hunger und die Gier sind so groß, dass sehr viele Kubaner scheinbar jeden Respekt vor den ausländischen Besuchern verloren haben und nur noch die Dollarzeichen sehen, wenn sie auf einen Touristen treffen.

Der Volkssport Nummer eins in Kuba könnte heißen „Wer zockt die Touristen als erster ab?“ . Die Abzocke beginnt am Flughafen und läuft in fast jedem Restaurant, in fast jeder Tankstelle, in fast jedem Imbiss und teilweise sogar in offiziellen Stellen wie bei dem Internet-Kartenverkauf weiter. Der Tourist in Kuba wird definitiv der dritten Klasse zugeordnet. Das merkt man vor allem als Reisender auf eigene Faust und vor allem in den wenigen Geschäften beim Einkauf. In keinem anderem Land, auch nicht in Asien haben wir ein solches Ausmaß an Respektlosigkeit, Diskriminierungen und Betrügereien erfahren wie in Kuba. Wir verbrachten insgesamt 23 Tage auf Kuba und wollten bereits nach drei Tagen abreisen, aber wir entschieden uns die Herausforderung anzunehmen. Der karibische Traum verwandelte sich bei uns dennoch leider immer mehr zum Albtraum und unser vorheriges schönes Bild über Kuba bekam Risse, wie das Kuba selbst.

Durch die Betrügereien und Diskriminierungen, die wir in Kuba erfuhren, wurden wir natürlich stumpfer und vorsichtiger. So kauften wir nur noch mit einem Taschenrechner ein und forderten jeden Cent beim Wechselgeld zurück, den sich ein Händler oder eine Kassiererin ergaunern wollte. Das Lächeln war danach dahin und das Händereiben der Händler ebenfalls. Ab und zu mussten wir sogar laut werden. Das funktionierte immer, denn dann schämten sich die Gauner und gaben das Geld richtig zurück. Häufig ging es um einige Euros und natürlich um das Prinzip der Ehrlichkeit. Wir lernten sehr schnell, vertraue keinem Kubaner!

Wir hätten vor unserer Reise nach Kuba weniger auf die schönen karibischen Bilder vertrauen sollen und viel mehr kritische Recherche betreiben sollen. Wir dachten an karibische Strände, einzigartigen Rum, genussvolle Zigarren, leckeres Essen und an die tolle kubanische Musik mitsamt freundlichen Menschen. Jedoch wurden wir eines Besseren belehrt, denn die Menschen waren meistens unfreundlich, gierig und betrügerisch. Die vielen tollen Strände waren in keiner Weise besser, als im nicht weit entfernten Mexiko, beim Rum wusste man leider nicht immer so genau, ob er original war, ebenso wie bei den Zigarren. Tanzende Kubaner auf den Straßen abseits des Tourismusgebiets sahen wir nirgends und für gutes Essen musste man tief in die Tasche greifen. Im Nachhinein sind wir Kuba sehr dankbar für die Erfahrungen, die wir dort sammeln durften. Denn wir wissen jetzt, welche Auswirkungen eine zentrale Marktwirtschaft, Kommunismus, Sozialismus und ein Embargo auf eine Bevölkerung haben können. Wir sahen einerseits die Armut in Kuba und sprachen mit Lehrern, die jahrelang dieselbe Kleidung trugen, weil sie nicht mehr als umgerechnet 20 Euro pro Monat vom Staat erhielten und wir sahen andererseits Taxifahrer, die um die 2000 Euro pro Monat verdienten und alles andere als arm waren. Kuba ist sehr kompliziert, sehr ungerecht und der Wohlstand ist ungleich verteilt. Kuba ist heute also all das, was die Revolution von 1959 verhindern wollte!

Hinweis: Der oben beschriebene Bericht basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die wir während unserer 23-tägigen Kubareise als Backpacker durch Havanna, Trinidad, Santa Marta und Varadero im November/Dezember 2018 sammelten.

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