Unser nächstes Ziel auf unserem Roadtrip waren die Lederschildkröten, die man am Strand von Playa Grande mit etwas Glück nachts beobachten konnte. Nach unseren Aufenthalten in der Hauptstadt San José und in der Arenal Vulkanregion bei La Fortuna sowie den Übernachtungen im Erdhügelhaus freuten wir uns nicht nur auf die Palmen und den Strand, sondern auch auf die meisterhaften Lederschildkröten und andere Tiere wie zum Beispiel Brüllaffen und Krebse.

Die Strecke von La Fortuna beziehungsweise von unserem Erdhügelhaus nach Playa Grande war gut asphaltiert und wir legten die 150 Kilometer bequem zurück, nur ab und zu drängelten einige mit ihren Geländefahrzeugen. Unterwegs sahen wir viele interessante Landschaftsabschnitte. Mal sahen wir Landstriche mit vielen Hügeln und Vieh, mal sehr felsige Regionen mit viel Wald, dann mal wieder weniger Wald, dafür viel mehr Grün oder Trockenheit.

Jedenfalls kamen wir im Ort Playa Grande gegen Nachmittag an und checkten in unserer einfachen Unterkunft ein, die wir vorher für zwei Nächte (ca. 60 Euro pro Nacht) gebucht hatten. Der Ort Playa Grande besteht nur aus einigen Wohnhäusern, zwei-drei Restaurants und zwei-drei kleinen Lebensmittelgeschäften. Die Hauptattraktion in diesem Ort ist der junge Nationalpark „Marino Las Baulas“, der zum Schutz der Schildkröten ernannt wurde.

Surfer in Playa Grande Costa Rica

Neben den Schildkröten gibt es hier, wie der Name schon vermuten lässt, einen sehr langläufigen großen Strand, den nicht nur die Schildkröten lieben, sondern auch die Surfer. Der Ort und der Strand Playa Grande liegen circa 30 Kilometer nördlich von der Tourismushochburg Tamarindo entfernt und sind ideal für all diejenigen, die gerne abseits vom Tourismus ihre Zeit verbringen.

Lederschildkröten in Costa Rica

Die Lederschildkröten kannten wir bisher nur aus dem Fernsehen und obwohl wir schon viel gereist sind, hatten wir noch nie die Gelegenheit, diese mittlerweile leider vom Aussterben bedrohten Tiere live zu sehen. Also beschlossen wir, uns in der Informationsstelle des Las Baulas Marine Nationalsparks zwei Plätze für die Schildkröten-Tour in der darauffolgenden Nacht zu reservieren. Wir freuten uns sehr darauf und hofften natürlich, etwas Glück zu haben, um eine Lederschildkröte zu sehen.

Die Lederschildkröten sind vom Aussterben bedroht

Unser Vermieter Matthew, der schon lange an diesem Ort lebt, erzählte uns, dass bis vor einigen Jahren noch jede Nacht tausende Lederschildkröten an den Strand kamen, um ihre Eier abzulegen. Da Eier der Lederschildkröten jedoch sehr begehrt zum Essen waren und auch immer noch sind und sich die Menschen damals für wenig Geld einige Meter des Strandes buchen und entlang des Strandabschnitts alle Schildkröteneier sammeln und behalten durften, die sie vorfanden, nahm die Lederschildkrötenpopulation rapide ab. Denn die Schildkröteneier landeten zum Weiterverkauf auf irgendwelchen Märkten, bevor die Baby-Schildkröten am Strand schlüpfen konnten. Das ging wohl jahrelang so, bis man merkte, dass immer weniger Lederschildkröten an Land gingen, um ihre Eier abzulegen. Irgendwann begriffen dann wohl einige, dass man mit dieser unverantwortlichen Vorgehensweise eine ganze Population Lederschildkröten nahezu ausgerottet hat, weshalb der Strand Playa Grande besser spät als nie zum Nationalpark erklärt wurde.

Dennoch steht es um die Lederschildkröten schlecht. Nicht nur, dass es noch vor einigen Jahren tausende Lederschildkröten waren, die jede Nach an den Strand kamen um Eier abzulegen und heute, im Jahr 2019, gerade mal eine in zwei bis drei Tagen kommt, wenn man Glück hat. Nein, es gehen auch immer noch munter Menschen mit ihren Hunden am Strand spazieren, obwohl dies ganz klar verboten sind. Die Hunde fressen und töten die kleinen Schildkröten oder graben nach den Eiern im Sand. Ihnen kann man nicht unbedingt einen Vorwurf machen. Sie folgen ihrem Instinkt. Doch die Hundebesitzer müssten vernünftig genug sein und einen anderen Ort auswählen, um mit ihren Hunden Gassi zu gehen. Doch auf die Vernunft und den Respekt der Menschen gegenüber der Natur darf man nicht bauen. Wir sahen unfassbarerweise eine Unmenge an Menschen, die munter ihre Sonnenschirme in den Boden rammten und dadurch die Niststände der Lederschildkröte zerstörten, obwohl auch das ganz klar verboten war. Doch der Mensch stellt für die Population der Lederschildkröte nicht nur an Land eine Bedrohung dar. Denn auch das vom Menschen verursachte Plastikproblem in den Ozeanen macht den Lederschildkröten schwer zu schaffen. Viele der Lederschildkröten halten die Plastiktüten im Meer für Quallen, die ihre Hauptnahrungsquelle darstellen, sodass bei einer Untersuchung in mehr als 40 % der Schildkröten Plastikteile und -tüten in deren Mägen gefunden wurden.

Die Auswirkungen des Ungleichgewichts in der Tierwelt bekommt der Mensch schon längst zu spüren. Dadurch dass es weniger Lederschildkröten gibt, die die Quallenpopulation in Grenzen halten, verbreiten sich die Quallen auf der ganzen Welt und immer öfters hört man von Stränden, die von Quallen befallen wurden.

Informationen zur Lederschildkröten

Wer nicht weiß, was eine Lederschildkröte ist, dem können wir hier einige Infos nennen. Die Lederschildkröte gehört zu den Meeresschildkröten und ist die größte lebende Schildkrötenart auf unserer Erde. Im Vergleich zu den Landschildkröten haben Meeresschildkröten wie auch die Lederschildkröte keine Beine zum Laufen, sondern große Floßen zum Schwimmen, denn sie verbringen die meiste Zeit im Ozean unter Wasser. Dort können sie bis zu einer Tiefe von 1200 Metern tauchen. Eine Lederschildkröte verzehrt bis zu 100 Kilogramm Quallen an nur einem Tag! An den Strand kommen nur die Weibchen zum Eierlegen (50-100 Eier im Nest) einmal im Jahr. Dabei kehren sie immer an den Strand zurück, an dem sie selbst vor Jahren geschlüpft sind. Es braucht fast 20 Jahre, bis eine Schildkröte ausgewachsen ist, um die ersten Eier legen zu können. Im ausgewachsenen Zustand kann eine Lederschildkröte zwischen 700 und 900 Kilogramm wiegen und eine Länge von bis zu 2,50 Metern erreichen.

Lederschildkröten am Strand Playa Grand in Costa Rica beobachten

In Playa Grande kann man die Schildkröten nicht auf eigene Faust entdecken, da zwischen 18 Uhr und 5 Uhr morgens der Strand zum Schutz der Meeresschildkröten für alle gesperrt ist und nur die Parkwächter (Ranger) und einige Wissenschaftler sich am Strand aufhalten dürfen, um die Schildkröten entweder zu vermessen oder vor Räubern und Wilderern zu beschützen.

Wenn man die Lederschildkröten oder auch andere Schildkrötenarten am Strand Playa Grande in Costa Rica beobachten möchte, kann man dies allerdings dennoch tun, indem man sich in dem Büro vom Nationalpark „Marino Las Baulas“ tagsüber in eine Liste einträgt und an einer nächtlichen Führung teilnimmt. Da die Plätze begrenzt sind, sollte man sich so früh als möglich, am besten sogar schon am Vortag oder gar einige Tage zuvor anmelden. Anschließend erscheint man dann zum vereinbarten Zeitpunkt an der Informationsstelle des Nationalparks. Dort wird zunächst die Anwesenheit geprüft, bevor man eine kleine Einführung erfährt. Anschließend gilt es zu warten. Schließlich weiß niemand, ob in dieser Nacht überhaupt und wenn ja, wann eine Lederschildkröte am Strand zum Eier ablegen erscheint. So wartet man, bis der Ranger über Funk meldet, dass eine Lederschildkröte am Strand gesichtet wurde. Dann bezahlt man umgerechnet 25 Dollar direkt am Tresen und kann an der Beobachtung teilnehmen (kommt in einer Nacht keine Lederschildkröte zum Nisten an den Strand, muss man nichts bezahlen). Direkt nach der Meldung macht sich eine Gruppe von maximal 30 Personen pro Nacht auf den Weg zum Nistplatz der Lederschildkröte am Strand. In einem Abstand von circa zwei Metern darf man die Lederschildkröten bei der Eiablage beobachten. Das Fotografieren der Schildkröten ist verboten, da es diese beim Eierablegen stören würde und die Lederschildkröte die Eiablage aus Angst abbrechen könnte.

Mit etwas Glück kann man früh morgens noch eine Schildkröte sehen, die sich auf dem Weg zurück ins Wasser befindet. Auch wir gingen an einem Morgen sehr früh an den Strand und versuchten, noch eine zu sehen. Jedoch fanden wir nur noch die Spuren der Schildkröte vor, die kaum zu übersehen waren.

Lederschildkröten Spuren im Sand

An einem anderen Morgen hatten wir jedoch etwas mehr Glück und trafen auf zwei Wissenschaftler, die morgens einige geschützte Nester überprüften und uns zwei kleine Schildkröten zeigten. Hier ist ein Bild von so einer kleinen Schildkröte.

Lederschildkröte in Costa Rica am Playa Grande

Aufgrund der sehr hohen Gefahr, dass die Schildkröteneier geklaut oder zerstört werden, versuchen die Naturschützer diese in abgesperrten Gehegen zu schützen und helfen jeder kleinen Schildkröte auf ihrem Weg ins Wasser. Auf dem unteren Bild sieht man ein Gehege mit vielen Schildkrötennestern. Das Gehege stellt keinen hundertprozentigen Schutz gegen tierische Räuber dar, aber wenigsten hält es die Menschen davon ab, die Eier und die Baby-Schildkröten zu zertrampeln.

Schildkrötennest in Costa Rica Playa Grande

Davon, dass es am Strand von Playa Grande Babyschildkröten gibt, zeugen oft auch die Eierschalen, die man am Strand verstreut findet. Mit etwas Glück und dem richtigen Timing sieht man eventuell die eine oder andere herumkrabbeln. Wir mussten uns leider am Strand mit den leeren Eierschalen und der Vorstellung dazu zufrieden geben und hoffen, dass die Kleinen gesund ins Meer kamen und dort ein langes, glückliches und plastikfreies Leben vor sich haben.

Schildkröteneier und Eierschalen

Brüllaffen in Playa Grande in Costa Rica

Lederschildkröten waren nicht die einzigen exotischen Tiere für uns, die wir in Playa Grande zu Gesicht bekamen. Auch eine andere Tierart, die man sehr oft in Costa Rica an mehreren Orten sehen und hören kann, trieb dort ihr Unwesen. Es waren die lustigen und lauten Brüllaffen.

Brüllaffen in Costa Rica

Als wir das erste Mal einen Brüllaffen in La Fortuna hörten, dachten wir zuerst, es wäre ein Puma! Aber hier in Playa Grande konnten wir eine ganze Gruppe frei lebender Brüllaffen ausgiebig und direkt vor unserer Haustür beobachten.

Brüllaffen auf Playa Grande in Costa Rica

Die Brüllaffen hüpften nicht nur auf den Bäumen herum, sondern entspannten auch sehr gerne liegend auf den Stromleitungen. Sie wirkten sehr verspielt, lebendig und neugierig.

Brüllaffen in Costa Rica

Einige hatten kleine Babyaffen auf dem Rücken und andere hingen einfach darum und relaxten. Wenn man nah genug an sie rankam und ihnen in die Augen schaute, merkte man wie so oft bei Affen, dass wir ihnen viel ähnlicher sind als wir oft denken.

Brüllaffen in Playa Grande auf Costa Rica

Einsiedlerkrebse und Krabben am Strand von Playa Grande in Costa Rica

Einige ganz andere kleine Tiere sind uns in Playa Grande ebenfalls ans Herz gewachsen. Es waren die Einsiedlerkrebse und die Krabben. Die Krabben am Strand gruben den ganzen Tag kleine Löcher in den Sand, um sich darin zu verstecken. Man konnte viel Zeit damit verbringen, die Tiere in ihrem Tun zu beobachten.

Rote Krabbe am Strand in Costa Rica

Die Einsiedlerkrebse, die in direkter Nachbarschaft zu den Krabben mit ihren Häusern, leeren Muscheln, lebten, waren ebenfalls sehr aktiv. Am besten entdeckte man sie, wenn man kurz anhielt. Dann konnte man gut erkennen, wie sich alle Muscheln bewegten. Hier ist so ein Einsiedlerkrebs, der sich gerade eine neue Muschel als Haus sucht.

Einsiedlerkrebs aus Costa Rica

Fazit zu Playa Grande in Costa Rica

Wir waren von Playa Grande sehr begeistert. Die vier Tage, die wir dort auf unserem Roadtrip einplanten, waren definitiv zu wenig. Es gab hier so viel zu entdecken, dass man Monate bräuchte, bis man einigermaßen die Gegend entdeckt hätte. Es gibt viele verschiedene Schildkrötenarten, mit der Lederschildkröte als Highlight, mit denen man sich näher beschäftigen kann. Außerdem kann man am Strand unendlich viele lustige kleine Einsiedlerkrebse, Krabben und wundervolle Sonnenuntergänge beobachten.

Sonnenuntergang in Playa Grande Costa Rica

Ebenso wie man einige Zeit am sehr sonnigen Strand liegen oder sich im turbulenten Meer abkühlen kann. Zudem kann man die Brüllaffen studieren oder einen Ausflug an einen Fluss in der Nähe machen, in dem es Alligatoren zu sehen gibt. Kurz und knapp: Playa Grande ist ein absolut lohnenswertes Ziel auf der Durchreise durch Costa Rica und immer noch ein Geheimtipp unter Reisenden.

Im Folgenden findet ihr einige ausgewählte Literatur zum Reisen in Costa Rica:

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