Der Morgen begann, wie der Abend zuvor bereits geendet hatte und zwar mit Regenklopfen auf dem Fahrzeugdach. Das kann etwas Romantisches haben, wenn man warm unter der Decke liegt und den Regentropfen zuhört. Wenn man den Camper verlassen muss, ist es mit der Romantik aber schnell dahin. Alles wird vom Regen langsam aber sicher durchnässt und wenn man die Sachen nirgendwo trocknen kann stehen die Karten nicht ganz so gut. Da wir den Campingplatz erst um 10 Uhr morgens verlassen mussten und ab mittags besseres Wetter gemeldet war, beeilten wir uns an diesem Tag nicht.

Wir nahmen erst einmal eine Dusche, die uns pro Person einen Bimbicoin kostete. Um Bimbicoins zu erhalten, musste jeder von uns einfach einen Australischen Dollar in einen kleinen Automaten werfen. Im Gegenzug kam pro Australischem Dollar ein Bimbicoin heraus. Für einen Bimbicoin konnte man ganze drei Minuten duschen. Das sollte uns reichen. Schließlich wollten wir die Wasserknappheit nicht fördern. Als die Zeit abgelaufen war, ging die Dusche übrigens einfach aus.

Im Anschluss an die Dusche gab es jedenfalls ein selbstgemachtes leckeres Frühstück. Es bestand aus frisch gebrühtem Kaffee, einigen Scheiben Brot, ein wenig Butter und Marmelade oder Haselnussaufstrich. Dazu gab es wie immer ein Glas frischen O-Saft.

Als wir alles Notwenige erledigt hatten, tankten wir noch unsere Wasserkanister nach. Dazu fanden wir einen Wasserhahn direkt neben der Rezeption des Campingplatzes. Allerdings war das der Dame am Empfang anscheinend nicht recht. Mit ausgestrecktem Kopf schrie sie uns an, dass wir doch bitte das Wasser woanders auffüllen sollen. „Wie bitte?“, dachten wir uns. Wir zahlten 40 AUD allein für den Stellplatz (ohne Strom und Wasser), legten dann nochmals 2 AUD für die Dusche obendrauf und durften unseren Camper nicht einmal mit Wasser aufladen. Das war doch ein Witz.

Wir fanden das Verhalten echt schade, da wir den Park ansonsten eigentlich mochten. Dennoch ließen wir uns an dem Tag die Laune nicht verderben und begaben uns erst einmal auf die Suche nach den Koalas.

Die Entdeckung der Koalas in den Baumkronen

Unsere Suche nach den niedlichen Koalas begann direkt unmittelbar in der Gegend um den Campingplatz herum. Wir suchten einfach entlang der Straße. Die wilden Koalas hatten sich in den Bäumen zu Wollknäuel geformt und waren sehr leicht zu übersehen. Man wusste nie, ob es ein Koala war oder doch nur ein Blätterhaufen in den Baumwipfeln.

In den ersten Minuten entdeckten wir nichts, aber als sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken schlugen und wir wieder mit unseren ausgestreckten Hälsen aus dem Auto mit Schritttempo die Straße entlang fuhren, entdeckten wir endlich einen Koala. Aber das auch nur, weil er sich bewegt hatte. Ansonsten hätten wir ihn übersehen.

Koala in Australien in den Bäumen suchen

Es war ein älteres Männchen, das es sich da in den Baumkronen gemütlich gemacht hatte. Als wir aus dem Auto ausstiegen und uns mit unseren Kameras von unten langsam und leise anschlichen, bemerkte er uns trotzdem. Der Koala streckte den Kopf und guckte zu uns herunter.

Wir rissen ihn anscheinend aus dem Schlaf, so sah er jedenfalls aus. Das Tolle, er wurde direkt aktiv, bewegte sich einige Zentimeter in jede Richtung, griff in Zeitlupe nach einigen Eukalyptus-Blättern und kaute genüsslich vor sich hin, bis er wieder in seiner Ausgangsposition verharrte. Währenddessen knipsten wir einige Fotos von ihm, um ihn anschließend wieder in Ruhe zu lassen.

Nachdem wir diesen ersten alten Koala entdeckt hatten, entdeckten wir kurze Zeit darauf einige hundert Meter weiter noch ein paar mehr Koalas, die sich ebenfalls in den Baumkronen versteckt hatten.

Koala in Australien wild erleben

Unser Ziel war es, ein Weibchen mit einem Baby zu entdecken. Doch damit hatten wir an diesem Tag leider keinen Erfolg. Dennoch war es für uns ein wunderschöner Anblick, die wilden Koalas, die vom Aussterben bedroht sind in freier Natur beobachten zu dürfen.

Ein Koala blieb uns besonders in Erinnerung. Er hatte sich so stark nach oben in die Baumkrone gearbeitet, dass er bei jedem Windhauch einige Meter auf seinem Ast hin und her schaukelte. Das machte ihm offensichtlich viel Spaß und beunruhigte ihn keinesfalls. Wir hätten uns nie vorstellen können, dass Koalas so hoch in die Bäume klettern. Für uns sind Koalas einfach besondere Tiere, die heutzutage leider viel Schutz vor dem Menschen brauchen.

Voller Glücksgefühle fuhren wir die Strecke C157, die auch als Lighthouse RD bekannt ist, solange entlang, bis wir am Cape Otway Leuchtturm ankamen. Von dort aus ging die Straße nicht mehr weiter. Deshalb drehten wir nach einer kurzen Pause um und machten uns wieder auf den geplanten Weg.

Unterwegs entdeckten wir dabei noch viele Kängurus, die sich häufig in kleinen Gruppen in Lichtungen oder auf Feldern blicken ließen. Das Schauspiel war immer das Gleiche. Kaum hatten uns die Kängurus gewittert, streckten sie ihren Kopf hoch, schauten uns entweder an oder sprangen nach einigen Minuten davon beziehungsweise kauten weiterhin genüsslich ihr Gras.

Die Zwölf Apostel und die vielen Touristen

Die Koalas und Kängurus hatten wir im Great Otway National Park hinter uns gelassen. Wir steuerten jetzt unser nächstes Ziel an, nämlich die berühmten Zwölf Apostel.

Diese konnte man kaum verfehlen, wenn man der B100 folgte, denn es stauten sich immer mehr Touristen entlang der Strecke bis irgendwann ein riesiges Touristenzentrum mit einem großen Parkplatz auf der rechten Seite erschien. Es war wahrscheinlich neben dem Ayers Rock (Uluru) eines der größten Touristen- Hotspots in den australischen Nationalparks. Tausende Besucher mit hunderten Bussen, Campern und Mietautos drängelten sich hier. Da musste man höllisch aufpassen, dass man keinem den Außenspiegel abfuhr.

Zwölf Apostel in Australien

Um ehrlich zu sein, war uns dieser Tourismus ein bisschen zu viel des Guten. Es war das dritte Mal innerhalb von zehn Jahren, dass wir die Zwölf Apostel besuchten. Und jedes Mal nahm der Tourismus nach unseren Beobachtungen zu. Laut offiziellen Daten besuchen bei gutem Wetter bis zu 11 000 Menschen pro Tag die Zwölf Apostel. Das ist schon der Wahnsinn!

Touristen an der Great Ocean Road

Neben der scheinbar stetig wachsenden Anzahl entging uns auch nicht, dass sich die Nationalitäten der Besucher allmählich änderten. Dies bemerkte man vor allem auch an den zusätzlichen neuen Beschilderungen in der Sprache Mandarin (Chinesisch). Das Bild der Touristen war früher viel mehr von Europäern und Amerikanern geprägt. Mittlerweile trifft man hier vor allem Menschen aus Asien, vor allem Chinesen, Taiwanesen und Inder an. An diesem Phänomen kann man gut erkennen, dass die asiatische Bevölkerung an Wohlstand gewonnen und die westliche verloren hat.

Ohne zu negativ zu klingen, möchte ich anmerken, dass man die magische Atmosphäre der Zwölf Apostel leider nicht mehr in Ruhe genießen kann. Die gesamte Strecke ist mittlerweile einfach nur noch von Touristen überlaufen. Das ist wirklich schade, weil wir die Great Ocean Road noch aus Zeiten kennen, in denen man durchaus mal auf einer Bank sitzen und in Ruhe verweilen konnte. So sollte es unserer Meinung nach auch sein, denn die Menschen fahren in die Natur um zu entspannen. Leider ist an der Great Ocean Road das Gegenteil der Fall. Wir waren deshalb froh, als wir diese Touristenhochburg verlassen hatten.

Es war sowieso Zeit geworden, uns etwas zu Essen kochen. Deshalb fuhren wir die Great Ocean Road weiter und suchten uns relativ am Ende einen Parkplatz an dem sich nicht ganz so viel Touristen tummelten. Während ich die Gegend ablief, bereitete Lisa die Spaghetti vor.

Natürlich blieben wir auf dem Parkplatz nicht länger, als es sein musste. Erstens war dieser Parkplatz zwar nicht mehr ganz so voll jedoch immer noch voll genug. Zweitens waren wir ein wenig aus unserem Zeitplan geraten. Nach dem Essen und einem anschließenden Spaziergang entlang der Küste setzten wir daher unseren Roadtrip fort.

Wandern an der Great Ocean Road

Auf dem Weg zum Grampian Nationalpark

Unser eigentliches Ziel an dem Tag war es, den Grampian Nationalpark zu erreichen. Denn dort hatten wir bereits einen freien Campingplatz auf der Karte ausfindig gemacht.

Wir hatten also an dem Nachmittag noch gute 200 km vor uns. Das klingt erst mal nach wenig, aber für 200 km in Australien braucht man schon mal gute vier Stunden. Die Straßenverhältnisse sind hier einfach ganz anders als in Deutschland. Nicht unbedingt schlechter, dafür aber lebendiger. Denn man muss auf viele Sachen achten, wie zum Beispiel auf freilaufende Kängurus, freilaufendes Vieh, Landmaschinen, Staub, Roadtrains und Baustellen. Das alles kann zeitraubend sein, da man häufig abbremsen muss beziehungsweise gar nicht erst eine hohe Geschwindigkeit aufnehmen kann.

Obwohl sich mit Einbruch der Dunkelheit die Verkehrsbedingungen stets deutlich verschlechterten, fanden wir es doch am schönsten abends zu fahren. Denn die letzten Sonnenstrahlen über den Feldern färbten den weiten Horizont so schön rot. Gleichzeitig mussten wir abends unsere Geschwindigkeit noch mehr drosseln und mit besonders achtsamen Augen die Fahrbahn beobachten. Schließlich passieren in Australien sehr viele Unfälle wegen hüpfender Kängurus auf den Straßen.

Beinahe im Schritttempo kamen wir im Nationalpark an und fanden ziemlich übermüdet unseren ersten kostenfreien Campingplatz. Dort trafen wir auf einige Camper, die es sich bereits mit einem Glas Wein am Lagerfeuer gemütlich machten. Nach einem kurzen prüfenden Blick entschieden wir uns, uns dazu zu gesellen und dort zu bleiben. Insgesamt prüfen wir jeden Campingplatz, bevor wir uns entscheiden, dort zu bleiben. Denn gerade in Australien sind die Entfernungen in den nächsten Ort häufig sehr weit, weshalb man lieber zweimal hinsieht, bevor man sich unnötigerweise in irgendwelche Gefahren begibt.

weiterlesen… Tag 4 – Der Grampians Nationalpark bietet viel Natur und wunderschöne Wasserfälle!

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