Das kühlere Wetter am nächsten Morgen war ein Luxus in der Nähe vom Uluru. Die Hitze aus dem Camper und der Rauch außerhalb hatten sich verzogen. Wir stellten die Schiebetür ganz auf und atmeten richtig tief durch.

Parkplatz bei den Red Dunes beim Uluru
Wie jeden Morgen dauerte es jedoch nicht sehr lange, bis die Sonne den Bus aufzuheizen begann.
Da sie noch nicht so hoch stand, entschied sich Lisa, kurz die Sanddünnen zu besteigen, um von dort den herrlichen Blick zum Uluru zu bekommen und einige Fotos zu knipsen.

Ausblick auf den Uluru von den Red Dunes aus

Yulara: Das letzte Touristennest vor Uluru

Danach machten wir uns auf den Weg nach Yulura. Yulara ist ein Touristenort, der circa 20 Kilometer von unserem Rastplatz „Red Dunes“ entfernt lag und nur wegen der Touristen aus dem Boden gestampft wurde. Von dort aus starten die meisten Touristen ihre Touren zum Ayers Rock (Uluru).

In Yulara gab es einige Kaffees, einen Supermarkt, eine Tankstelle, ein Post-Office und abends auch Veranstaltungen. Das Gebiet ist von Hotels und Ferienresorts umringt und zu 100 % auf den Tourismus ausgerichtet. Wir trafen dort Menschen aus der ganzen Welt an, die nur eins im Sinn hatten: Den Ayers Rock bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu beobachten.

Yulara beim Uluru in Australien

Das ganze Gebiet ist ein Mix aus Nationalpark und Holiday-Park. Nur einige Kilometer von Yulara entfernt, befindet sich die Einfahrt zum „Uluru/Kata Tjuta National Park“. Dort kauften wir zwei Eintrittstickets für jeweils 25 AUD, die drei Tage lang gültig waren. Drei Tage sollten reichen, um die Gegend rund um den imposanten Uluru ein wenig zu erkunden.

Die malenden Aborigines-Frauen im Kulturzentrum

Im Nationalpark angekommen, war unser erster Anlaufpunkt das Kulturzentrum der Aborigines. Es war ein lohnender Stopp, an dem man viel über das Leben der Ureinwohner und über die Geschichte des Uluru erfuhr.

Wenn man vorher noch keine Aborigines gesehen hat, dann wird man hier fündig. Die Aborigines sind auch die Eigentümer und Verwalter des National Parks. Diese Aufgabe bekamen sie, auf einige Demonstrationen hin, von der australischen Regierung übertragen.

Ursprünglich hatte die australische Regierung den Aborigines das Gebiet nämlich entzogen. Mittlerweile dürfen sie es wieder verwalten. Jedoch müssen die Aborigines anderen Menschen Eintritt zum Park gewähren, da die australische Regierung das Gebiet von den Aborigines gleichzeitig für 100 Jahre gepachtet hat.

Soviel erst einmal zum Hintergrund des Parks. Jedenfalls erfährt man im Kulturzentrum nicht nur etwas zur Geschichte des Uluru, sondern auch zur Pflanzen- und Tierwelt, die im Nationalpark heimisch ist. Natürlich gibt es auch genügend Souvenirs zum Mitnehmen – vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld.

Am meisten gefielen uns die selbst gemalten Bilder der Aborigines. Die Frauen malen auf dem Boden sitzend ihre typischen Aborigines-Bilder und tragen Punkt für Punkt auf die Leinwand auf. Die Bilder sind jedoch alles andere als günstig. Es werden heftige Preise dafür verlangt. Bereits kleinere gepunktete Bilder kosten mehr als 100 AUD und die größeren auch schon mal mehrere tausende australische Dollar. Jedes der Bilder erzählt in Aborigine-Sprache eine Geschichte, die man sich erklären lassen kann. Wir fanden die Bilder toll, jedoch für uns definitiv zu teuer.

Das erste Fotoshooting beim Uluru

Vom Kulturzentrum fuhren wir einen der ersten Aussichtsparkplätze an, von dem man den Uluru in seiner ganzen Pracht sehen konnte. Auf den ersten Blick sah der Uluru nach einem massiven und riesigen Felsbrocken aus. Nachdem wir mehrere Minuten dort waren und die Atmosphäre in uns aufsaugten, hatte er für uns allerdings etwas Magisches, etwas was man nicht erklären kann.

Aussichtsparkplatz beim Uluru

Der Uluru ist ein gigantischer runder Felsbrocken, der mitten im australischem Nirgendwo aber dennoch fast in der Mitte des australischen Kontinents platziert ist. Es ist als ob der Felsen den Menschen sagen wollte: „Hey, wer findet zuerst mein Geheimnis heraus?“ Wir fanden es jedenfalls nicht verwunderlich, dass die Aborigines-Bevölkerung den Uluru für heilig hält.

Vom Aussichtsparkplatz knipsten wir einige Fotos und machten uns auf den Weg zum direkten Parkplatz am Uluru. Von dort aus starteten wir die Umrundung des Berges zu Fuß.

Fotoshooting beim Uluru

Lebensmüde in der Mittagshitze um den Uluru herum!

Als wir mit unserer Wanderung begannen, war es bereits nach elf Uhr morgens. Wir liefen zuerst den kleineren Wanderweg und entdeckten einige alte Höhlen der Aborigines. Immer wieder fanden wir Informationstafeln zu den einzelnen Höhlen und deren Bedeutung für die Aborigines.

Unterschlupf beim Uluru

Der Weg war nicht anstrengend und durch die hohen Bäume links und rechts war man gut vor der Sonne geschützt. Irgendwann kam eine Abzweigung. Ab dort begann dann die tatsächliche Wanderung um den Uluru.

Bereits nach einigen hundert Metern merkten wir, dass es immer weniger Bäume gab, die uns Schatten spendeten. Außerdem erfuhren wir, dass die Strecke um den Uluru viel länger sein sollte als gedacht. 10,8 km. Das war ein Wort. Wir überlegten und kamen zu dem Ergebnis, dass es wohl eine dumme Idee wäre, bei der Hitze diesen Weg zu laufen. Ein Warnschild, auf dem geschrieben stand, dass man nach elf Uhr morgens keine Wanderungen mehr unternehmen sollte, bestätigte uns in unseren Überlegungen eigentlich auch. Es herrsche Lebensgefahr wegen der intensiven Sonneneinstrahlung.

Wandern beim Uluru / Ayers Rock

Dennoch entschieden wir uns, den Wanderweg fortzusetzen. Schließlich sind wir nicht alle Tage da. Wir dachten, mit den beiden 1,5 Liter Wasserflaschen, die wir dabei hatten und einem Hut auf dem Kopf sollte nichts passieren. Mit dem Wasser hatten wir uns jedoch grob verschätzt. Denn bereits nach drei Kilometern waren unsere Flaschen fast leer. Es wurde uns klar, dass uns das Wasser für die 10 Kilometer nie und nimmer ausreichen würde, wenn wir weiterhin so viel trinken.

Wir beide kannten die Risiken der australischen Sonne bereits aus früheren Erfahrungen. Es brauchte nicht lange, damit man von der Sonne dehydriert wird oder einen Hitzschlag erleidet. Ich war einmal bei Alice Springs im australischen Winter, also in dem Zeitraum, an dem die Sonne eigentlich schwächer ist, wandern. Die Wanderung dauerte nicht einmal eine Stunde, dafür bekam ich abends hohes Fieber und musste es mit Tabletten senken. Der Grund für den Sonnenstich war damals, dass ich zu wenig Wasser trank.

Deshalb versuche ich seitdem immer genug zu trinken. Man sollte die Gefahr nicht unterschätzen, denn die Sonne ist in diesen wüstenähnlichen Gebieten tückisch und kann unbarmherzig zuschlagen. Das wusste ich.

Während wir weiterliefen, murmelte immer einer von uns, wie dumm man sein kann, mittags in der prallen Sonne eine solche Tour zu Fuß im Outback zu starten. Wir nutzten jeden noch so kleinen Schatten und machten kleinere Pausen, um uns für kurze Zeit der Sonne zu entziehen. Je weiter wir liefen, desto mehr Sorgen machten wir uns. Irgendwann fingen wir sogar an, uns erste Überlebensmaßnahmen auszudenken. So absurd es auch klingt, wir hatten echt Angst um uns.

Überstand als Schutz gegen die Sonne

Glücklicherweise entdeckten wir dann auf dem Weg einen kleinen Überstand, in dem man sich Ausruhen konnte. Wir waren sehr erleichtert, als eine Frau mit dem Fahrrad vorbeifuhr und uns informierte, dass es einige hundert Meter weiter eine frische Wasserstelle gibt, an der wir unsere Flaschen wieder auffüllen konnten. Wir waren sichtlich erleichtert. Diese Situation zeigte uns mal wieder, dass man manchmal trotz Erfahrung in solchen Situationen landen kann. Und zwar dann, wenn man aus seinen Erfahrungen nicht genug lernt.

Wir waren erleichtert, als wir die Wasserstelle fanden. Wir tranken so viel wir konnten und füllten anschließend unsere Flaschen randvoll mit Wasser auf. Die Ranger wussten anscheinend, wie gefährlich dieser Wanderweg werden konnte und hatten diese Wasserstelle eingerichtet.

Ein weiteres Warnschild warnte, dass man in dieser Gegend alle 15 Minuten Wasser trinken muss und mindestens einen Liter Wasser in der Stunde zu sich nehmen sollte, um nicht zu dehydrieren. Wow, dachten wir, da wären wir mit unseren 1, 5 Liter Flaschen nicht weit gekommen. Die Aborigines befolgen die folgende, sehr einfache Faustformel: Lasse im Outback niemals deine Lippen trocken werden.

Wir schafften den schwierigen Abschnitt durch die Sonne und kamen an einer mehr bewachsenen Seite des Ulurus an. Hier gab es wieder Schatten und viele außergewöhnliche Felsen mit grünen Büschen. Ein Baum spendete uns Schatten, sodass wir in dieser kühleren Gegend eine halbe Stunde verbrachten.

Die Grüne Seite vom Uluru

Es ist immer interessant, die eigenen Grenzen des Körpers nach so langer Zeit wieder zu erfahren. Als wir an diesem schattigen Ort ankamen, waren wir so fertig, dass wir die Schuhe auszogen und die leichten Rucksäcke ablegten. Denn auf einmal wirkten diese unglaublich schwer. Die kleinste Bewegung war eine Herausforderung!

Leichte Rucksäcke zur Wanderung beim Uluru

Dabei bemerkte ich, wie rot meine Füße durch den roten Sand geworden waren. Hätte ich noch einige Tage ohne Dusche an diesem Ort verbracht, hätte ich bestimmt die Farbe der roten Erde angenommen.

Roter Sand und dreckige Füße

Beim letzten Teil der Strecke hatten wir wieder weniger Glück. Denn es gab keinen Schatten, sodass wir uns durch die Sonne schleppten. Deshalb waren wir erleichtert, als wir in der Ferne den Parkplatz und unseren Camper wieder sahen. Wir hatten die Umrundung des Uluru geschafft. Schwitzend, taumelnd und mit Schwindelgefühlen waren wir so fertig von der Strapaze, dass wir uns regelrecht in den Camper fallen ließen.

Das Erste, was wir machten, war Wasser zu trinken und die Klimaanlage einzuschalten. Nach einigen Minuten ging es uns bereits besser, die Körper kühlten sich wieder herunter. Wir waren uns beide einig, so eine dumme Aktion bei der Hitze nicht noch einmal zu starten.

Als wir den Platz verließen, sahen wir die vielen anderen Wanderer, die zwar nicht die Umrundung begannen, aber dafür den Aufstieg auf den Felsen wagten. Unserer Meinung nach waren diese Touristen noch dümmer als wir, denn wenn man beim Aufstieg einen Fehltritt macht oder einen Hitzschlag erleidet, dann stürzt man in den Tod. Der Aufstieg ist nicht gesichert, sondern man kann sich nur an einer Kette festhalten. Man musste wirklich verrückt sein.

Uluru / Ayers Rock besteigen oder hochklettern in Australien

Unsere Energie war für diesen Tag verbraucht. Das Einzige, was wir noch machten, war in dem Ort Yulura anzuhalten, uns auf der Toilette ein bisschen zu erfrischen und uns im Supermarkt etwas Leckeres zu kaufen. Zuerst wollten wir uns eine kalte Wassermelone besorgen. Als wir jedoch sahen, dass der Kilogramm Preis bei 4 AUD lag, entschieden wir uns für eine Packung mit Waffeleis. Das Waffeleis war richtig gut und kühlte den Körper von innen. Wir setzten uns damit unter einen Pavillon und gönnten uns eine etwas längere Verschnaufpause. Dabei lauschten wir der Musik und beobachteten das Treiben.

Abends fuhren wir zu unserem 20 Kilometer entfernten Schlafplatz bei den Roten Sanddünen zurück. Dort bereiteten wir uns in Ruhe ein leckeres Abendessen zu, tranken Tee und bestaunten die wunderschöne Weite und später die hellen Sterne am Nachthimmel, bevor es ins Bett ging.

weiterlesen…Tag 10 – Der Uluru ganz im Glanz der Sonne und der Abstecher zu den Kata Tjuta

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