Das Ziel war heute der Ort Daly Waters, aber vorerst stand eine Flaschendusche für uns beide an. Ich kann es nicht oft genug erwähnen, das einfache Duschen mit einer Flasche kaltem Wasser ist ein wahrer Luxus im Outback! Dann ging es mit einem Frühstück und der Weiterfahrt weiter. Es stand eine 500 Kilometer Fahrt an, bis nach Daly Waters. Dort wollten wir die Nacht verbringen.

Mit den Kilometern änderte sich die Landschaft. Es wurde deutlich grüner. Dass es geregnet hatte, war kaum zu übersehen. Überall sprossen Pflanzen und Blumen aus dem Boden. Die vorher verbrannte Erde erwachte wieder zum Leben. Ein toller Anblick. Neben uns schien es auch den freilaufenden Kühen zu gefallen, denn diese tauchten immer öfters am Straßenrand auf. Das hieß, wir mussten gut aufpassen, da die Tiere unvorhersehbar auf die Straße laufen konnten.

Einmal nutzten wir die Gelegenheit, um ein Bild von den Kühen zu knipsen. Es war erstaunlich, wie scheu sie waren. Mit den Kühen in den Alpen sind diese kaum zu vergleichen. In sicherem Abstand standen die Kühe in Reih und Glied und glotzten uns an. Wie so oft im Outback sahen wir viele überfahrene Kühe herumliegen. Es war ein scheußlicher Anblick von verschwendetem Leben, an dem die Fahrzeuge schuld sind.

In Tennant Creek legten wir einen kleinen Stopp ein. An einer Tankstelle fragte ich den Besitzer, ob ich den Wasserhahn benutzen dürfe. Er war zwar mürrisch, aber dennoch half er mir, die Wasservorräte aufzufüllen. Als ich anschließend noch tankte und bezahlen wollte, betrat ein Aborigine den Tankstellen-Shop.

Sein Erscheinen war wie aus einem Hollywood Film. Er war um die 50 Jahre alt, hatte einen richtigen Cowboyhut auf, Cowboystiefel, Falten von der Sonne und ausgebrannte Kleidung. Einfach toll anzusehen. Ich hätte so gern ein Bild von ihm geknipst. Aber das schien mir unpassend. Also bezahlte ich, ließ das Bild auf mich wirken und wir fuhren weiter.

Die Straße hatte uns wieder und die Fahrt zog sich. Es ging kilometerweit immer gerade aus. Keine Kurven, nur eine gerade Strecke nach vorn. Wieder wurde uns bewusst, wie gewaltig Australiens Weite war. Kein einziger Mensch war zu sehen. Für uns Deutsche ist diese Weite kaum vorstellbar, da in Deutschland alle fünf Kilometer eine Siedlung steht.

Damit uns nicht langweilig wurde, grüßten wir die entgegenkommenden Fahrzeuge, was im Outback üblich war. Eine richtige Beschäftigung war das allerdings nicht, da nur alle dreißig Minuten mal ein Fahrzeug vorbeikam. Ab und an knipsten wir einige Fotos von der Landschaft, legten eine Toilettenpause ein oder gönnten uns einfach mal eine Rast. Ich war die meiste Zeit der Fahrer und die Lisa drehte am Radio herum. Die meiste Zeit hörten wir Bob Marley, ab und zu spielten wir etwas anderes ein oder gar nichts.

Mit der Zeit heizte sich der Camper wieder auf. Die geöffneten Fahrzeugscheiben brachten leider nicht wirklich die gewünschte Abkühlung. Dazu war der Wind einfach zu warm. Wir hatten zwar eine Klimaanlage, aber die nutzten wir nicht sehr oft. Erstens wurde immer einer von uns danach krank. Zweitens erhöhte sie den Benzinbedarf. Dennoch erleichterte sie das Fahren sicherlich.

Ein verschrotetes Flugzeug aus der Vergangenheit

Nach langer Fahrt kamen wir unserem Ziel immer näher. Nicht weit von Daly Waters sahen wir an einem Highway Inn ein altes verschrottetes privates Flugzeug, das auf einer Wiese herumstand.

Es sah abenteuerlich aus und hatte seine blühenden Jahre wohl schon hinter sich. Wir fragten uns, wo es schon überall gewesen war, aber das wird wohl ein Geheimnis bleiben. Nachdem wir das Flugzeug bewundert hatten, tankten wir noch am Highway Inn und fuhren anschließend ins nur zehn Kilometer entfernte Daly Waters.

Daly Waters im Outback Australien

Ein Hubschrauber, eine Tankstelle und ein Pub mit BHs und Schlüpfern

Daly Waters besteht aus ein oder zwei Häusern und einer veralteten oder besser gesagt verlassenen Tankstelle aus der Western Zeit, mit einem kleinen verrosteten Hubschrauber auf dem Dach.

Daly Waters Tankstelle und Pub

Auf der anderen Straßenseite befand sich der berühmten Pub. In diesem Pub hat schon so manch namhafte Person ihr Bier getrunken. Der ganze Ort versetzte uns zurück in die Vergangenheit.

Daly Waters Tankstelle und Pub in Australien

Der Pub ist weltberühmt, vor allem weil Frauen ihre BHs hier an die Decke hängen und viele Superstars unterschriebene TShirts zurücklassen. Jeder der wollte, konnte sich hier mit einem persönlichen Gegenstand verewigen. So hingen Nummernschilder, Ausweise, Fotos, Zeitungsabschnitte oder sonstige Abzeichen an den Wänden. Es war ein toller und kreativer Ort. Ideen konnte man sich hier kostenlos holen.

Die Bekanntschaft mit der Backpackerin Selina

In unmittelbarer Nähe gab es zwar einen kleinen Campingplatz, allerdings gefiel dieser uns nicht so gut. Zu voll, zu laut. Von daher entschieden wir uns, einen freien Übernachtungsplatz in fünf Kilometer Entfernung anzufahren.

Gerade als wir uns für die Nacht positionierten, kam eine weitere Reisende mit einem Station Wagon (ein zum Campingmobil umgebauter Kombi) an. Nach einigen Minuten freundeten wir uns mit der 21-jährigen Selina an. Selina war alleine unterwegs. Das ist in Australien zwar keine Seltenheit, da viele junge Frauen und Männer alleine durch den Kontinent reisen. Dennoch fanden wir es bewundernswert. Selina war genau wie wir unterwegs nach Darwin. Dort wollte sie sich um einen Job kümmern.

Backpackerin Selina in Australien

Jedenfalls saßen wir abends alle gemeinsam am Lagerfeuer und erzählten uns gegenseitig verschiedene Reisegeschichten. Der Austausch von Informationen unter Reisenden ist immer gut, so vermeidet man die eine oder andere Überraschung unterwegs.

Als die Dunkelheit einbrach, fing das Geheule der Dingos an. Das beunruhigte uns erst einmal nicht. Wahrscheinlich deshalb, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt waren, uns mit Bushman einzusprühen, um uns vor den Moskitos zu schützen. Irgendwann kam das Dingo-Gejaule jedoch immer näher. Zudem raschelte es im Busch. Uns war klar, dass die Dingos uns beobachteten.

Wir wussten zwar, dass Dingos prinzipiell eher ungefährlich sind und nur in den seltensten Fällen Menschen angreifen, dennoch konnten wir diese wilden Hunde nicht einschätzen. Von daher beschlossen wir, uns lieber in den Camper zurück zu ziehen. Dort setzten wir unseren Kaffeeklatsch bei einer Tasse Tee und einigen Keksen bis in die späten Abendstunden fort.

weiterlesen… Tag 14 – Mataranka und die warmen Quellen

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