An diesem Tag waren die Edith Falls auf unserem Plan und wir freuten uns auf die Abkühlung.

Wir waren jetzt über zwei Wochen unterwegs. Es war erstaunlich, wie schnell sich das alte gewöhnliche Leben in der Gesellschaft mit rasantem Tempo entfernte, je länger wir unsere Zeit in der Natur statt in der Zivilisation verbrachten.

Nichtsdestotrotz hatte man auch dort seine täglichen Rituale. Wie morgens mit der Flasche duschen, frühstücken, den Camper checken und das nächste Ziel für den Tag auswählen. Der größte Unterschied zwischen einem Leben unterwegs und einem sesshaften war, dass man unterwegs aktiver lebte, weil man mehr erlebte und vor allem für sich Entscheidungen traf. Je nachdem wie man reiste, erlebte man in zwei Wochen mehr als in einem Jahr an einem festen Ort. Reisen bedeutet für uns schon immer aktiv leben.

Zum aktiven Leben gehört es auch seine Bequemzone zu verlassen. Daran erinnerte uns wieder die letzte Nacht, die unglaublich anstrengend war. Nach dem Frühstück wechselten wir noch einige Wörter mit den Franzosen, die zu viert in zwei selbst ausgebauten Wohnmobilen unterwegs waren. Mit Franzosen war es schon immer leicht in Kontakt zu kommen. Deren Englisch war zwar nicht das Beste, aber ihre Offenheit hatten wir schon immer geschätzt. Die Franzosen wollten in den Kakadu-Nationalpark weiterfahren und wussten nicht, dass dieser wegen der Überflutung und der Krokodilgefahr gesperrt war.

Nach einer kurzen Unterhaltung machten wir uns auf den Weg zu den Edith Falls, die von unserem Übernachtungsplatz zwanzig Kilometer entfernt waren. Die Wälder und Buschlandschaften waren bis zu den Wasserfällen entlang der Strecke komplett abgebrannt. Vereinzelt loderte immer noch Feuer. Die Erdoberfläche war von frischer, schwarzer Asche geprägt.

Die schwarze Asche zog einige Kakadus an, die darin anscheinend leichter Samen fanden. Neben Kakadus fand man auch andere Papageienarten, die lieber auf Bäumen nach Futter suchten als auf dem Boden. Papageien sah man in Australien immer wieder. Sie gehören genau so zu Australien wie die Sonne.

Papageien im Outback von Australien

Die Edith Falls bestanden nicht nur aus einem Wasserfall, sondern aus mehreren verteilten Wasserfällen, die stufenweise über die Felsen nach unten fielen. Jeder dieser Wasserfälle hatte sein eigenes Wasserloch. Es waren wunderschöne natürliche Pools.

Schwimmen wegen der Krokodile bei den Edith Falls verboten

Der erste Wasserfall der Edith Falls, den wir sahen, als wir ankamen, war zeitgleich auch der größte. Leider war er zu dem Zeitpunkt gesperrt, weil sich anscheinend ein Krokodil dahin verirrt hatte.

Edith Falls im Outback von Australien

Die Park-Ranger hatten ihre ganz eigenen Beobachtungsmethoden, um zu erkennen, ob sich ein Krokodil in einem Gewässer der Edith Falls befand oder nicht. Man konnte nur dann ins Wasser, wenn die Park-Ranger Entwarnung gaben. Wir hatten uns so sehr auf eine Erfrischung in den Wasserfällen gefreut und traten bereits enttäuscht den Rückweg an. Im Glauben, dass auch die oberen Wasserfälle gesperrt wären.

Edith Fall wg. Krokodilen schwimmen verboten

Bevor wir die Weiterfahrt antraten, fragte ich jedoch die Dame am Kiosk, ob alle Wasserfälle gesperrt seien. Sie meinte, dass die oberen Edith Falls offen wären, da dort die Krokodile nicht reinkämen. Das zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht und wir machten uns auf den Weg zu den oberen Wasserfällen.

Der Rundweg zu den Wasserfallterrassen, in dem man schwimmen konnte war kurz, dafür aber gut steil. Schwitzend und erschöpft kamen wir bei den Wasserfällen an. Einige schwammen bereits in den wunderschönen Pools. Es war einfach toll hier. Wir suchten uns einen Pool, setzten uns ins kalte Nass und bewegten uns eine halbe Stunde nicht mehr. Erst als wir uns vom Aufstieg wieder erholt hatten, probierten wir die übrigen Wasserlöcher aus.

Schwimmen in den Edith Falls

Langsam aber sicher trudelten auch die anderen Reisenden an, die wir am Parkplatz getroffen hatten. Die Strapazen der anstrengenden Nacht sah man ihnen ins Gesicht geschrieben. Allerdings entspannten sich die Gesichtszüge, sobald die Leute ins Wasser sprangen. Die meisten von ihnen verbrachten genau wie wir den ganzen Tag an den Wasserfällen der Edith Falls und gingen nur zum Essen an den Camper zurück.

Wasserfall im Outback in Australien

Die Erfrischung an den Edith Falls tat uns sehr gut und füllte uns wieder mit Energie. Die Edith Falls waren für uns wie ein Paradies im Nirgendwo. Es gab kleine natürliche Pools für Kinder und größere Pools zum Schwimmen. Außerdem gab es einige Sprungmöglichkeiten von den Felsen ins Wasser.

Fluss bei den Edith Falls

Und nicht zu vergessen den Wasserfall selbst, unter den man tauchen konnte. Dort war eine Aushöhlung wie aus einem Abenteuerfilm. Man war hinter dem Wasserfall, aber um dorthin zu gelangen musste man erst hindurch und das war doch ein wenig anstrengend. Nicht jeder schaffte es. Ich schaffte es erst nach einigen Versuchen. Das gewaltige Wasser drückte mich immer wieder zurück, als ich versuchte hindurch zu schwimmen.

Der Wasserfall hatte eine Schwachstelle an der Seite, so tastete ich mich entlang der Felsen und stieß mich ab. Es reichte aus um durch die Fluten zu brechen und plötzlich war ich hinter den Wassermassen. Der Wasserfall forderte jedoch seinen Tribut. Das tobende Wasser war so stark, dass ich mein geliebtes altes Armband im Wasser verlor. Ich spürte noch, wie es vom Arm in Sekundenschnelle runterglitt und in den Tiefen verschwand. Es war ein Erinnerungsstück aus Neuseeland, welches ich mir von zehn Jahren gekauft hatte. Ich hatte es immer an, wenn ich auf Reisen war. Ich war jedoch nicht traurig wegen des Verlusts. Im Gegenteil, so bleibt mir der Ort für immer in Erinnerung.

Edith Falls schwimmen gehen

Es war Abend geworden und die Sonne stand schon tief. Zudem brannte es wieder irgendwo, sodass der Rauch die verbleibende Sonne verdunkelte. Das Atmen viel schwerer und die Augen brannten. Wir traten den Rückweg über eine andere Route an, um noch die restlichen Wasserfälle zu sehen. Der Ausblick war grandios.

Buschfeuer bei den Edit Falls in Australien

Eine hübsche Französin sorgt sich um das Buschfeuer

Die Nacht verbrachten wir wieder an demselben Schlafplatz wie die Nacht zuvor, da wir am nächsten Tag nochmal zu den Wasserfällen wollten. Dort hatten sich bereits einige andere Camper aufgestellt.

Als wir abends unseren Tee tranken, kam eine übermüdete aber hübsche Französin zu uns, um uns mitzuteilen, dass es im Hinterland stark brennen würde und wir für den Notfall, dass das Feuer in unsere Richtung kommt, gewappnet sein sollten. Sie erzählte uns, dass sie mit ihrem Freund eine einjährige Rundreise mit dem Camper durch Australien machte. Sie starteten Sydney mit dem Ziel, wieder in Sydney anzukommen. Sie fuhren also den Loop. Da hatten sie noch ein langes Abenteuer vor sich. Wir wünschten dem hübschen Pärchen eine gute Nacht und eine schöne Weitereise.

In dieser Nacht versuchten wir vor dem Schlafengehen, den Camper mit der Klimaanlage für einige Minuten abzukühlen. Es funktionierte anscheinend, aber die Freude währte nicht lange, denn bereits nach einigen Minuten staute sich die Hitze erneut im Camper. Also versuchten wir es mit einer anderen Lösung und bauten uns Fächer aus Papier, die eine minimale Verbesserung brachten. Es war zum Verrücktwerden. Lisa schlief schon, als mir mit einem Fächer in der einen Hand und einer Taschenlampe in der anderen die Augen zufielen. Die Taschenlampe brauchte man, um die nervigen Moskitos ausfindig zu machen, die sich in den Camper eingeschlichen hatten und einem ums Ohr summten.

weiterlesen… Tag 18 – Ein versenktes Auto, bekiffte Deutsch, laute Australier und zu viele Moskitos

zurück zum Tag 1


Info: Wenn ihr unseren Beiträgen folgen wollt, dann könnt ihr entweder rechts unten auf die rote Glocke klicken oder euch in unseren Newsletter eintragen.

Unsere Literatur Empfehlung zu Australien.

*Weitere Informationen über die Produkte, erhält man durch einen Klick danach bei Amazon.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei