Der Große Widderstein im Kleinwalsertal ist ein Koloss von Berg mit einer Gesamthöhe von 2533 Metern in Österreich. Das Kleinwalsertal ist ein tolles Wandergebiet mit vielen Alphütten und paradiesischen Panoramawegen. Da dies den meisten Wanderern bereits bekannt ist, lasse ich an der Stelle mal die Details zur Gegend aus und beschreibe stattdessen eine Rundwanderung um den Widderstein herum. Die Wanderung beginnt normalerweise in Baad (Österreich), sozusagen dem letzten Ort im Kleinwalsertal, denn ab hier geht es mit dem Fahrzeug nicht mehr weiter.

Parkplatz bei Gemstelboden in Kleinwalsertal

Unsere Wanderung begannen wir zu dritt vom Gemstelboden aus. Dort gibt es einen tollen Wanderparkplatz, von dem aus man seine Wanderungen starten kann. Drei Euro hatte uns ein Tagesticket im Juli 2020 hier gekostet, das war human! Diesmal waren wir ein wenig später dran als sonst, denn es war schon 9 Uhr morgens und wir mussten uns ein wenig beeilen, so lange die Sonne noch nicht so hoch stand. Wir wollten unbedingt den Anstieg hinter uns haben, bevor es richtig heiß wurde und man schwitzend hochkriechen musste.

Gemseltal im Kleinwalsertal in Österreich

Vom Parkplatz aus ging es direkt an der Breitach entlang Richtung Gemsteltal. Unser Ziel war erst einmal die untere Gemstelalpe, bevor es weiter zur oberen Gemstelalpe gehen sollte.

Untere Gemstelalpe im Gemsteltal

Es war Montag und von daher hatten wir Glück und es war noch nicht so viel los wie an Wochenenden und Feiertagen. Nur einige Wanderer kreuzten unseren Weg. Je näher wir an die untere Gemstelalpe kamen, desto mehr Wanderer sahen wir jedoch.Untere Gemstelalpe in Kleinwalsertal

Angekommen an der unteren Gemstelalpe versorgten wir Mats, den Goldendoodle meines Schwiegerpapas, zunächst an einer der typischen Allgäutränken, die man unterwegs immer mal wieder antrifft, mit Wasser. Die untere Gemstelalpe ist eine unserer favorisierten Alpen, denn hier kann man in einer wunderschönen Umgebung verweilen, etwas leckeres Essen (super Germknödel) und vor allem die Kinder, wenn man denn welche hat, auf dem Spielplatz spielen lassen.

Tipp: Mit dem Kinderwagen ist diese Hütte ebenfalls super zu erreichen.

Gemstelalpe im Gemsteltal

Der Pfad zur oberen Gemstelalpe

Der erste Abschnitt war nicht schwer, es ging moderat nach oben und Matthias, sein Hund Mats und ich freuten uns prächtig über die frische Alpenluft und die langsam über den Bergen emporsteigende Sonne. Dafür dass es die erste größere Bergwanderung für den Hund war, den Matthias vor drei Jahren aus einem Tierheim geholt hat, zeigte er sich super fit und zeigte auch keinerlei Anzeichen von Ermüdung. Wir waren doch überrascht, dass Mats auf Anhieb den Wanderer in sich entdeckt hat und ständig vor uns auf dem Weg auf uns wartete.

Wandern mit Hund im Kleinwalsertal

Wir hatten einen Wanderweg von circa 17 Kilometern vor uns. Meine kurze Beschreibung im Kopf sah folgendermaßen aus: Zuerst zur unteren Gemstelhütte, dann zur oberen Gemstelhütte, dort eine kalte Johannisbeerschorle trinken, dann weiter zur Widdersteinhütte und optional den Widderstein hoch, wenn nicht möglich, dann weiter wandern die Ebene entlang bis zum Hochalpsee bzw. an diesem vorbei, dort weiter und wieder den Abstieg beginnen bis zur Bärgunt-Hütte. Dort was essen und weiter runter bis zu unserem Parkplatz. So ungefähr sollte unser Wanderweg aussehen!

Natürlich lief nicht alles nach Plan und wir erlebten die ein oder andere Überraschung, aber dazu später mehr.

Direkt nachdem wir mit dem Aufstieg begannen, wurde es gleich schön schottrig. Schritt für Schritt und motiviert, ohne einen einzigen Schweißtropfen zu verlieren, gewannen wir an Höhe. Die Aussicht ins Tal wurde immer schöner und je schöner die Aussicht wurde, desto schneller kamen dann doch die Schweißtropfen – jetzt war klar: wir wandern! Neben der Aussicht wurde auch der Pfad immer besser. Der schottrige Weg wurde angenehmer und an den Seiten tauchten immer mehr Büsche auf. Irgendwann nach einer Kurve sahen wir den schönen Wasserfall und einen abenteuerlichen Weg mit Seilsicherung, der an der Seitenwand vorbeiführte. Wir kamen uns schon ein wenig wie in einem Indiana Jones Film vor. Wir konnten nicht widerstehen und knipsten einige Fotos.

Wandern im Gemsteltal

Die obere Gemstelhütte war noch ein Stück entfernt. Eine Stunde stand auf dem Wegweiser, aber die Zeit interessierte uns eher wenig. Denn bei der schönen Natur darf man nicht eilen! Wir kreuzten die eine oder andere Schlucht und genossen immer wieder schöne Ausblicke auf den herabstürzenden Wasserfall. Der Wanderweg war gut gepflegt und kleinere Brücken ermöglichten eine bequeme Kreuzung von herabfließenden Bächen.Obere Gemstelhütte in Kleinwalsertal

Obere Gemstelhütte in der Nähe von Widderstein

Immer wieder überholten wir andere Wanderer und auch wir selbst wurden überholt, vor allem wenn wir Fotos knipsten. Und dann nach einer Weile erschien schon die obere Gemstelhütte. Wir schnauften schon ein wenig und durchgeschwitzt waren wir auch. Jedenfalls ich!

Jetzt gab es erst einmal eine schöne kalte Johannisbeerschorle. Die Bedienung hier war – wie bereits in der unteren Gemstelhütte – sehr schön traditionell gekleidet und super nett und kommunikativ. Da macht es gleich doppelt Spaß etwas zu bestellen. Die Aussicht in das Gemsteltal war zudem top!

Obere Gemstelhütte in Kleinwalsertal

Nach unserer Pause an der oberen Gemstelhütte begaben wir uns wieder auf den Weg. Es ging direkt weiter bergauf. Wunderschöne Landschaften, typische Bergblumen und traumhafte Täler hatten wir um uns herum. Atemberaubend schön!

Irgendwann hatten wir den oberen Grad erreicht. Von dort aus ging es eher eben weiter und wir hatten die Möglichkeit, kurz durch zu schnaufen. Dabei sahen wir die andere Seite des Gebirges, das Lechtal und seine Berge. Es war eine tolle Aussicht!

Widdersteinhütte beim Berg Widderstein

Daraufhin dauerte es nicht lange und wir hatten die Widdersteinhütte erreicht. Dort angekommen waren wir ziemlich überrascht, dass es so voll war! Hier herrschte ja mehr Betrieb als in so mancher Fußgängerzone in Deutschlands Innenstädten. Naja, wir entschieden uns, den Trubel hinter uns zu lassen und uns ein ruhiges Plätzchen etwas weiter weg zu suchen.

Widdersteinhütte in Österreich

Entsprechenden Proviant hatten wir dabei. Der Hund brauchte ebenfalls wieder eine Pause, denn die Sonne brannte von oben nicht nur auf unsere Nacken, sondern auch auf den Hund. Jedenfalls tranken wir einen Schluck und aßen etwas und genossen dabei sowohl die Aussicht auf die Natur als auch auf das Treiben der anderen Wanderer.

Wandern am Widderstein in Österreich

Nach einer guten halben Stunde ging es weiter. Die Spitze vom Widderstein lag rechts von uns und wir entschieden uns an diesem Tag, diese nicht zu besteigen. Es war zu viel los und mit dem Hund keine gute Idee, denn der Weg ist hoch und doch sehr steinig. Wir setzten also unsere Rundwanderung fort und sahen nicht weit entfernt den kleinen Alpsee und zu unserer Überraschung keine Kühe, sondern wunderschöne Pferde.

Aggressive Pferde und der arme Hund

Kaum waren wir bei den Pferden angelangt, wimmelte es nur so von Touristen, die kreuz und quer herumliefen. Wir versuchten, da wir ja einen Hund dabei hatten, langsam und mit ausreichend Abstand an der Herde vorbei zu laufen. In dem Moment geschah es. Ein Pferd wurde nervös und begann Mats anzugreifen!

Pferde Angriffe in Kleinwalsertal bei Widderstein

Sowas hatten wir auch noch nicht erlebt. Immer wieder versuchte das Pferd an den Hund zu kommen. Da der Goldendoodle angeleint bei uns war, versuchten wir das Pferd mit unseren Wanderstöcken auf Abstand zu halten. Leider ohne Erfolg, sodass wir uns gezwungen sahen, den Hund loszubinden, damit er abhauen konnte. Das Pferd war natürlich direkt hinter ihm her, was dazu führte, dass sich der Hund ängstlich auf den Boden legte und wir schon dachten, dass das Pferd ihn gleich nieder trampelt.

Um den Hund zu retten, nahmen wir nochmal unsere Wanderstöcke und waren schon dabei, dem Pferd eins drüber zu wischen, als plötzlich noch zwei andere Männer mit Wanderstöcken auf das Pferd losgingen und das Pferd dann endlich vom Hund abließ. Wir schauten, dass wir mit dem Hund davonkamen. Puh, nochmal Glück gehabt! Jedenfalls war uns das wieder einmal eine Lehre, unbedingt Herden mit Kühen, Pferden usw. zu meiden. Denn das hätte böse enden können.

Der Abstieg vom Großen Widderstein zur Bärgunt-Hütte im Kleinwalsertal

Nach dem Fiasko mit den Pferden ging es mit dem Abstieg über die Bärgunt-Alpe in Richtung Tal weiter. Den weiteren Weg bestimmte der Vorfall mit den Pferden. Wir unterhielten uns so ausgiebig darüber bis einer von uns vor lauter quatschen mit dem ganzen Schuh im Schlamm versank. „Scheiße, die neuen Schuhe!“, hörte ich nur. Naja, kein Beinbruch, denn zum Glück gibt es hier überall Wasser, in dem man die Schuhe waschen kann.

Das Tal war wunderschön und in der Weite sahen wir schon die Bärgunt-Hütte, aber es sollte noch eine gute Stunde dauern, bis wir unten ankamen. Unterwegs hörten wir noch einige Murmeltiere pfeifen, aber sehen konnten wir diese nicht. Schritt für Schritt ging es bergab, wobei wir uns mit den Wanderstöcken abstützten. Wanderstöcke sind eine gute Hilfe für die Knie, vor allem wenn es bergab geht.

Schließlich erreichten wir die Bärgunt-Hütte. Dort holten wir uns nochmal etwas Kaltes zu trinken und aßen etwas Warmes zu Mittag. Nach einer guten Pause waren wir ausgeruht und begannen den letzten Abschnitt zum Gemstelboden-Parkplatz, auf dem unsere Wanderung dann endete.

Fazit zur Wanderung um den Widderstein im Kleinwalsertal

Es ist eine tolle und nicht allzu schwere Wanderung mit einem super Panorama, vielen Alpenkühen, Pferden und anderen Tieren, die man antreffen kann. Eigentlich von jedem machbar, wenn man Zeit hat und ein wenig fit ist. Zeitlich ist ein halber Tag zu wenig, man sollte schon einen Tag einplanen. Das Schöne an der Wanderung sind die vielen Hütten, in denen man einkehren kann und etwas Leckeres essen und trinken sollte. Die etwas Sportlicheren unter den Wanderern können unterwegs noch auf die Spitze vom Widderstein klettern. Abenteuer hatten wir bei dieser Wanderung jedenfalls genug. Nur eines fehlte uns: Wir hatten uns erhofft, einen Widder zu Gesicht zu bekommen, aber durch die vielen Touristen haben sich diese bestimmt versteckt. Naja, das nächste Mal sehen wir bestimmt welche ;-).

Tipp: Nehmt euch Zeit! Am besten mietet ihr euch in einer der Hütten oben ein und genießt die Bergwelt über mehre Tage!

Meine Grundausrüstung zum Wandern:

Lowa Trekker Wanderschuhe Deuter Futura 32 Fjällräven Wanderhose Wanderstöcke
*Weitere Informationen über die Produkte erhält man durch einen Klick direkt bei Amazon.

Fakten zur Wanderung:

Jahreszeit Juli 2020
Wetter Sonnig ca. 25 Grad
Ausrüstung Mittlere Wanderschuhe, leichte Kleidung
Ausgangspunkt Österreich, Kleinwalsertal: Parkplatz in Baad o. Gemstelboden (ca. 3,00 Euro/Tag)
Wanderzeit für Rundweg Je nach Fitness und Pausen ca. 4-6 Stunden
Tourencharakter Mittelschwer. Teils Schotter, Hänge, Felsen, Geröll und mit Stahlseilen gesicherte Wege.

Für alle Allgäu-Fans empfehlen wir die folgende Literatur:

*Weitere Informationen über die Produkte erhält man durch einen Klick direkt bei Amazon.

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Christopher Seidel

Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen 🙂