Wandern zur Rotspitze auf 2033 Metern im Allgäu! Meine letzte Tageswanderung ist schon wieder einige Wochen her. Damals ging es zum Widderstein und diesmal soll es zur Rotspitze gehen. Es soll eine  schöne Halbtageswanderung von etwa sechs Stunden werden. Insgesamt sind es circa zwölf Kilometer und wir steigen auf 2033 Meter auf. Eine perfekte Sonntagswanderung im warmen November 2020.

Eigentlich ist seit meiner letzten Wanderung wieder zu viel Zeit vergangen. Deshalb war mein Verlangen um so größer, wieder meine Wanderschuhe anzuziehen und die frische Bergluft zu schnuppern. Es stellte sich wie immer die Frage: Wo soll es hingehen? Die ganze Welt dreht gerade wegen der Corona-Epidemie durch. Vor lauter Verwirrung und den sich ständig überschlagenden neuen Corona-Regeln, weiß man nicht mehr, wohin!

Also bleibt einem nicht viel, außer in der Heimat zu bleiben und am besten eignet sich dafür natürlich unser schönes Allgäu mit seiner Vielzahl an Bergen. Wie bereits oben erwähnt, geht es zur Rotspitze auf 2033 Metern Höhe und zurück. Die Hohen Gänge, Breitenberg und die Heubatspitze begehe ich ein anderes Mal. Diesmal reicht mir die Rotspitze aus. Es soll ja ein ganz schöner und steiler Wanderweg sein und am Ende soll man wie immer mit einer tollen Aussicht belohnt werden. Hier nochmal mein Wanderweg auf Google-Maps projiziert. Ich entscheide mich für den Hornweg, alternativ kann man noch über Bruck oder auch über den Jägersteig zur Rotspitze wandern.

Wandern Rotspitz Karte

Beste Wanderparkplätze inkl. Preise zum Besteigen der Rotspitze 

Bevor es losgeht, kümmern wir uns mal um die Parkplatz-Situation im Allgäu. Normal schreibe ich nicht soviel über Parkplätze, aber dieses Jahr hat sich viel verändert, was das Parken im Allgäu angeht. Im Allgäu gibt es fast kaum kostenlose Parkplätze und in diesem Jahr wurden auch die letzten entfernt oder es wurde ein Parkautomat platziert. Es liegt an der besonderen Situation wegen Corona. Zu viele Tagestouristen belagern das Allgäu und die hiesige Verwaltung reagiert mit Preisaufschlägen um dem Herr zu werden. Deshalb wurden auf allen Parkplätzen im Allgäu und auch im näheren Österreich wie im Kleinwalsertal die Parkgebühren massiv erhöht. Was früher nur drei Euro für einen Tag gekostet hat, kostet jetzt zwischen sieben bis zehn Euro pro Tagesticket. Die meisten Parkplätze sind um circa 100 % bis 150 % teurer geworden. Leider sind die Preisaufschläge nicht nur bei Parkplätzen zu beobachten, sondern auch bei den ganzen Alpen und Hütten, auf denen fast jedes Gericht und Getränk zwischen 10 bis 20 % Preisaufschlag seit dem letzten Jahr verzeichnet. Eine sehr interessante Entwicklung, denn laut offiziellen Angaben haben wir eine stabile Inflation von 2 %. Ich frage mich, ob die Parkplatzgebühren und Preisaufschläge der Hütten im Inflationskorb fehlen ;-).

Parkplatz Säge in Hinterstein oder Gruebplätzle bzw. Hotel Wiesengrund?

Früher war der Parkplatz „Säge“ bei Hinterstein für drei Euro sehr beliebt. Mittlerweile und das innerhalb eines Jahres wurde er auf acht Euro erhöht. Deshalb würde ich euch den Parkplatz Gruebplätzle oder den größeren Parkplatz beim Hotel Wiesengrund empfehlen. Diese sind mit fünf Euro pro Tag immerhin noch günstiger als die restlichen in der Umgebung. 

Parken in Hinterstein Rotspitz Wandern

Wir starteten also beim Parkplatz Gruebplätzle. Wie beim letzten Mal hatte ich wieder mein Fahrrad dabei, damit ich den ersten Abschnitt schneller hinter mich bringen konnte. Nicht dass der erste Abschnitt nicht schön ist, aber mit dem Fahrrad legt man ihn einfach schneller zurück und spart sich viele Laufkilometer.

Fahrräder an der Rastbank lassen

Vom Parkplatz aus ging es erst einmal mit dem Fahrrad bis zu einer Rastbank, an der die meisten ihre Fahrräder zurücklassen, um zu Fuß weiterzugehen. Bis dahin dauerte es mit dem Fahrrad ca. 40 Minuten und zu Fuß ca. 60 Minuten. Jedenfalls schob ich mein Fahrrad einfach den ersten Abschnitt, da es doch recht schnell ziemlich steil aufwärts ging. Nur die ebenen Teile der durchgehend asphaltierten Straße radelte ich. Unterwegs begegneten mir noch andere Fahrräder und ein Pferd. Ansonsten passierte nicht viel. An der Rastbank angekommen, fanden sich auch andere Wanderer mit Fahrrädern ein, die diese hier zurückließen.

 

Höhenmeter und Wanderpfad ins untere Tal bei der Rotspitze

Es ging erst einmal nur einige Meter den Berg runter bis zum Fluss, an dem eine kleine Brücke den Weg zur Rotspitze wies. Kaum passierte ich die Brücke, begann gleich auch schon der Aufstieg. Auf dem Weg entdeckte ich einen mit grünem Moos bedeckten Baum, der mich irgendwie an die Urwälder Neuseelands erinnerte. Ansonsten ging es wie üblich für einen November über viele Laubblätter auf dem Wanderweg weiter, der sich hoch schlängelte. Ich kreuzte nach kurzer Zeit eine Schotterstraße, der ich nicht viel Aufmerksamkeit schenkte und bewegte mich weiter hoch hinauf.

Die Aussicht wurde mit jedem Meter immer besser. Langsam bemerkte ich auch, dass die Laubbäume verschwanden, das Laub auf dem Wanderweg war jetzt ebenfalls weg. Es eröffnete sich ein karger steiniger Wanderweg, der im Zickzack immer weiter, weiter, weiter hoch ging. Der Wanderweg an sich war langweilig, nichts besonderes. Lag wahrscheinlich am Novemberwetter: karge Bäume und kaum grünes Gras weit und breit. 

 

Nach einiger Zeit wurde es mir zu warm, die Jacke musste runter. Ein Wanderpärchen kreuzte meinen Weg und rief mir zu: „Warm issch, net wahr? Ja, irgendwann ist jeder dran mit Sachen runter„, und ging lachend weiter. Die beiden waren etwas schneller unterwegs als ich, sah irgendwie nach Stress aus. Wahrscheinlich hatten sie ein Meeting auf dem Gipfel, da soll der Internet-Empfang besser sein. Ich folgte ihnen noch ein Stückchen, bis ich sie irgendwann in den Zickzack-Kurven verlor. 

Wanderweg zur Rotspitz im Allgäu

Das Tal und der steinige Wanderweg

Endlich eröffnete sich das obere Tal oder der Kessel, wie man es auch nennt. Es sah schön aus! Viel Gestein, wirklich viel Gestein und Schotter. Ich legte eine kleine Verschnaufpause ein und bestaunte erst einmal das Tal. Die größeren Nadelbäume waren alle verschwunden. Nur noch die kleinen Nadelbäumchen konnten sich im Gestein festhalten und ein wenig wachsen.

Das Tal bei der Rotspitz

Das viele lose Gestein machte mir ein wenig zu schaffen. Immer wieder musste ich genau schauen, wohin ich meine Füße setzte, da ansonsten ein Ausrutschen unvermeidlich gewesen wäre und sich Steine hätten lösen können. Immer wieder blieb ich stehen, schnappte nach Luft und schaute mich um, ob ich irgendwelche Tiere entdecken konnte. Aber außer Touristen war nichts zu sehen und zu hören. Na gut, weiter ging’s bergauf.

Aufstieg zur Rotspitz

Es wurde noch steiler, wobei die Spitze und das Kreuz immer noch nicht in Sicht waren. „Wie weit noch?“, fragte ich mich. Wie in Trance marschierte ich Schritt für Schritt.  Ich merkte, dass ich zu viel Zeit seit meiner letzten Wanderung verstreichen ließ und deshalb nicht mehr so fit war. „Das muss sich ändern“, sagte ich zu mir und zog parallel an meinem Trinkschlauch.

Puhh, jetzt musste man auch noch klettern! Ein gewaltiger Fels, an dem man vorbei musste. Anders ging es nicht. Also weg mit den Wanderstöcken, die störten nur. Ich brauchte beide Hände, um mich festzuhalten. Die Steine waren ganz schön scharf und widerspenstig. Immer wieder kamen mir andere Wanderer entgegen oder warteten hinter mir.

Die erste Hürde war jedenfalls fast geschafft. Der schattige Bergrücken lag bald hinter mir und ich stand auf dem Bergkamm der Rotspitze. Zwar noch unten, aber die Aussicht war super. Ein sehr schmaler Pfad führte mich weiter zur Rotspitze. Sehr gefährlich sah er nach meiner Einschätzung aus! Man musste höllisch aufpassen und wirklich trittsicher und schwindelfrei sein. Es tauchten immer öfters Stahlseile auf, die als Sicherheit zum Halten dienten. Endlich stand ich unterhalb der Rotspitze. Es schien nur noch ein Katzensprung, was natürlich täuschte. Jeder, der schon mal gewandert ist, weiß natürlich, dass gerade die letzten Meter komischerweise am schwierigsten sind. 

Steinschlag und runtersausendes Geröll an der Rotspitze

Irgendwann stand ich gemeinsam mit anderen Wanderern an einer senkrechten Wand, die man nur mit Steilseil hochklettern konnte. Wir warteten bis uns zwei entgegenkommende Wanderer passierten. Dabei kam es, wie es kommen musste! Beim Runterklettern am Stahlseil trat einer der beiden aus Versehen gegen einen Stein. Eine kleine Steinlawine löste sich und kam ins Rollen. „VORSICHT STEINE!“, hörte man nur noch schreien! Die Steine flogen knapp an einem der anderen Wanderer vorbei. Da wurde mir gleich klar, wie wichtig jetzt ein Schutzhelm wäre! Die Steine hätten den anderen Wanderer schwer verletzen können. Glücklicherweise ist es aber nochmal gut gegangen. Das war eine Lektion für alle Wanderer, die dort anwesend waren und jetzt viel vorsichtiger weiter liefen und öfters nach oben schauten.

Rotspitz klettern und Steinschlag

Gipfel, Rotspitze und Brotzeit

Nach der letzten Kraxelei an der Steinwand und den Stahlseilen folgte ich noch einige Meter dem Wanderpfad, bis endlich das Gipfelkreuz erschien. Oben wurde man mit einer tollen Aussicht belohnt. Alleine war ich natürlich nicht, es waren mindestens immer zehn Leute am Gipfel. Die einen kamen und die anderen gingen wieder. Der König dieses Gipfels war aber definitiv der Alpenvogel, der um die Rotspitze herum glitt und auf einen Happen der Touristen bei der Brotzeit hoffte. 

Rotspitz Gipfel 2033 Meter

Bei der schönen Aussicht genoss man seine Brotzeit gerne. Diesmal nahm ich außerdem noch eine Flasche Bier mit. Das schmeckt super am Gipfel. Ganz getrunken habe ich das Bier natürlich nicht, denn ich wollte es nicht riskieren, unkonzentriert wieder runterzuklettern. Ich weiß, es war nur eine Flasche! Da ich aber kein häufiger Trinker bin, reichte es für mich :-D.

Brotzeit an der Rotspitz und ein Bier

Ich genoss die Aussicht und knipste wie immer einige Fotos. Vor allem vom Alpenvogel. Man hatte eine echt super Aussicht auf Sonthofen, auf die umliegenden Gipfel wie das Nebelhorn mit seiner Station, den großen Daumen und in der Ferne sogar den Hochvogel. Beeindruckend waren auch die Hohen Gänge und die anderen Wanderer, die auf diesen zum Breitenberg wanderten. Es sah einfach toll aus!

Nach meiner Stärkung und einer doch ausgiebigen Pause, ging es wieder zurück für mich. Wie gesagt, ich wollte nicht den ganzen Tag wandern. Die meisten machten sich noch auf den Weg über die Hohen Gänge bis zum Breitenberg. Dieser Weg soll ebenfalls nicht so einfach sein, da man ebenfalls viel Klettern muss. Jedenfalls begann ich meinen Abstieg nach einer tollen Wanderung.

Fazit zum Wandern zur Rotspitze im Oberallgäu

Der Wanderweg an sich beginnt doch recht langweilig. Dieser wird aber mit den Höhenmetern immer besser und schöner. Für mich wurde dieser als ich im Kessel/Tal ankam toll. Ich mag die veränderte Vegetation und genoss ab da die Wanderung um so mehr. Der gesamte Weg war sehr steinig und gute Wanderschuhe sind ein Muss! Wanderstöcke würde ich ebenfalls jedem empfehlen, vor allem beim Abstieg um die Knie zu schonen. Insgesamt finde ich die Wanderung sehr schön. Das nächste Mal plane ich sie als Tageswanderung ein und nehme die hohen Gänge und den Breitenberg ebenfalls mit.

Meine Grundausrüstung zum Wandern:

Lowa Trekker Wanderschuhe Deuter Futura 32 Fjällräven Wanderhose Wanderstöcke
*Weitere Informationen über die Produkte erhält man durch einen Klick direkt bei Amazon.

Fakten zur Wanderung:

Jahreszeit November 2020
Wetter Sonnig ca. 15 Grad
Ausrüstung Mittlere Wanderschuhe, leichte Kleidung
Ausgangspunkt Oberallgäu nähe Bad-Oberdorf: Parkplatz in Gruebplätzle (ca. 5,00 Euro/Tag)
Wanderzeit für Rundweg Je nach Fitness und Pausen ca. 6 Stunden
Tourencharakter Mittelschwer. Teils Schotter, Hänge, Felsen, Geröll und mit Stahlseilen gesicherte Wege.

Für alle Allgäu-Fans empfehlen wir die folgende Literatur:

*Weitere Informationen über die Produkte erhält man durch einen Klick direkt bei Amazon.

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