Seit 2020 hat Portugal landesweit das Freistehen für Wohnmobile verboten. Wie konnte es nur dazu kommen? War Portugal doch europaweit das liebste Land der Camper und Wohnmobilisten. Die schönen Zeiten in Portugal für Wohnmobile, Campervans oder Wohnwagen sind leider endgültig vorbei.

Wir haben das Land vom Norden bis Süden ganz gut bereist und haben auf verschiedenen Plätzen übernachtet. Dabei probierten wir Campingplätze, private Parkplätze, Campingparkplätze und auch das Freistehen aus.

Unser Resultat: Das freie Campen, egal ob mit dem Wohnmobil, dem Campervan, dem Zelt usw. ist überall an der Küste verboten, auch in den Nationalparks. Portugal hat in seiner Politik was das Campen angeht eine 360 Grad Drehung vollzogen und fas alles verboten. Bleibt die Frage nach dem Warum.

Warum hat Portugal das Freistehen verboten?

Dazu gibt es zunächst einmal anzumerken, dass die Camper, Wohnmobilisten, Campervans usw…. das Freistehen leider bis ins Negative ausgereizt haben. Das Hauptproblem war dabei wohl die Entsorgung von Abwasser und Fäkalien. Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, täglich auf Toilette zu gehen. Gleichzeitig ist bei jedem Wohnmobil  meistens nach einigen Tagen der Abwassertank voll. Des Weiteren verfügen nicht alle Camper über eine Toilette bzw. einen Abwassertank. Deshalb gibt es leider immer einige Menschen, die ihre Geschäfte in der umliegenden Natur erledigt haben und ihr Spülwasser in nahe liegende Büsche kippten. Wenn das tagtäglich landesweit Leute machen, dann kann man sich vorstellen, wie stark es in der ganzen Gegend nach Fäkalien riecht. Es stinkt verheerend. Genau das war letztlich wohl auch der Auslöser, der ein Verbot zur Folge hatte.

Viele Kommunen regten sich aufgrund dessen massiv auf. In einigen Teilen bildeten sich wohl auch Mobs. Wohnmobile wurden beschädigt und die Camper vertrieben. Damit das Ganze nicht noch mehr eskaliert, ging die portugiesische Regierung hin und erließ sehr strenge Gesetze, um dem entgegenzuwirken.

Auf der einen Seite ist es verständlich und Regeln mussten her. Auf der anderen Seite sind diese Regeln sehr streng und die Politik ist wie wir finden, über ihr Ziel hinausgeschossen. Zu den Toilettengängen in der Natur müssen wir nämlich anmerken, dass wir das natürlich nicht gutheißen. Gleichzeitig ist es aber nun einmal ein Grundbedürfnis des Menschen auf Toilette zu gehen und nicht immer kann man (frau) warten, bis man in ein umliegendes Geschäft o.ä. fährt, um dort zur Toilette zu gehen. Deshalb wäre es seitens Portugals Kommunen sicherlich hilfreich gewesen, wenn man die vielerorts durchaus vorhandenen Sanitäranlagen in der Nebensaison nicht abschließen würde und die Menschen dadurch quasi in den Busch „zwingt“.

Wie streng wird das Verbot zum Freistehen gehandhabt?

Es kommt definitiv auf die Saison und auf den Landesteil in Portugal an. Der Süden ist definitiv am strengsten und es gibt nur eine Hand voll Möglichkeiten, kostenlos an den dafür vorgesehenen Plätzen frei zu stehen. Wenn es denn erlaubt ist, dann nur für 48 Stunden, was übrigens landesweit gilt. Die Polizei schaut täglich vorbei, macht oft Fotos und vergibt denjenigen, die sich nicht daran halten, durchaus Strafen.

GNR – Polizei in Portugal

Wie sieht es mit Privatparkplätzen aus?

Auch auf bezahlten Privatparkplätzen, die nicht 100% für Wohnmobile ausgeschildert sind, ist es verboten, nachts zu stehen. Immer wieder fallen einige darauf herein, zahlen 3-5 Euro und übernachten auf diesen Parkplätzen, bis die Polizei vorbeischaut und von jedem Geld abkassiert und alle vertreibt.

Wir haben viele Wohnmobilisten gefragt und sehr viele, die jahrelang nach Portugal kamen, sind enttäuscht von den Verboten.

Wie hoch sind die Strafen fürs Freistehen in Portugal?

Je nach Vergehen und Ort können die Strafen zwischen 60 bis 600 Euro hoch sein. Wenn jemand denkt, dass er nicht kontrolliert wird, kann er es natürlich drauf ankommen lassen und das freie Stehen riskieren. Wir würden es nicht empfehlen.

Wir bekamen zwar noch keine Strafe fürs Freistehen, weil wir uns, wenn wir frei standen, immer an die 48 Stunden-Vorgabe hielten, mussten jedoch einmal 120 Euro bezahlen, weil wir falsch zu einem Spielzeugladen abgebogen sind und eine durchgezogene Linie überfahren haben. Jede Diskussion war vergebens. Hätten wir nicht gleich bezahlt, so hätten wir laut der beiden Polizisten, die uns anhielten, den Führerschein abgeben müssen. Hätten wir kein Geld dabei gehabt, so hätte uns die Polizei zum nächsten Bankautomat gefahren. Bargeld für Strafen sollte man also immer dabei haben.

Die Lage von Campingplätzen für Wohnmobile in Portugal

Laut unserer Erfahrung ist die Lage und der Zustand der Campingplätze größtenteils nicht sehr gut. Wir waren auf vielen Campingplätzen in Portugal und die meisten sind sehr mitgenommen. Natürlich gibt es hier und da mal gute Campingplätze, aber diese sind an der Hand abzuzählen und nicht selten ist deren Lage leider sehr unpassend. Das bedeutet, zu weit weg vom Strand, dem nächsten Ort oder Einkaufsmöglichkeiten.

Manche Campingplätze sind zwar nicht weit vom Strand, dafür aber so sehr in die Jahre gekommen, dass fast alles kaputt ist. Viele brauchen Investitionen und müssten modernisiert werden. Das ist auch einer der Gründe, warum Portugals Regierung hier wahrscheinlich das Freistehen mit dem Wohnmobil & Co. verboten hat – damit wieder mehr Geld zu den Campingplätzen fließt.

Licht am Tunnel für Camper & Co. in Portugal

Obwohl es aktuell nicht so einfach ist, mit dem Wohnmobil in Portugal und es viel Kritik hagelt, entstehen hier und da extra Parkplätze für Wohnmobile. Die Wirtschaft reagiert auf das neue Gesetz und handelt selbst. Klar, die Nachfrage nach Stellplätzen für Wohnmobile ist gewaltig in Portugal.

Einige Orte wissen, dass Reisende mit Wohnmobilen & Co Geld in die Orte bringen und wenn diese wegbleiben, wäre das für die Wirtschaft in vielen Orten eine Katastrophe. Denn häufig sind es ältere Menschen, die mit dem Wohnmobil herumreisen, die mit ihrem Hund spazieren gehen, den Tag im Liegestuhl verbringen und danach im lokalen Restaurant was essen gehen oder im Supermarkt einkaufen. Kurz gesagt: Diese Leute haben und bringen Geld in jede Kommune, die Sie aufnimmt und Stellplätze anbietet.

Deshalb entstehen extra für Wohnmobile angelegte Parkplätze, nicht selten mit Entsorgungsanlagen, Frischwasser Versorgung und Sicherheitszäunen usw.. Es sind keine richtigen Campingplätze.

Wenn solche Campingparkplätze öffentlich sind, dann darf man hier ebenfalls nur 48 Stunden stehen und muss dann weiter fahren. Wenn diese jedoch privat sind, also von einem Unternehmen gepflegt werden, dann kann man dort stehen, so lange man möchte.

Jedoch sollte einem bewusst sein, dass die meisten dieser privaten Wohnmobilparkplätze nicht kostenlos sind, sondern pro Tag immer zwischen 4 bis 10 Euro kosten kann. Was nicht schlimm ist, denn dafür bekommt man ja auch Wasser und Strom und Entsorgung ist auch möglich und die Natur bleibt vor allem sauber.

Freistehen in Portugal

Kritik an den Parkplätzen und den Verboten

Insgesamt ist zu kritisieren, dass man auf vielen angebotenen Parkplätzen wie eine Sardine steht, Wohnmobil an Wohnmobil angereiht. Vom Freiheitsgefühl beim Campen fehlt dabei leider jede Spur. Man hört dem Nachbar wirklich beim Schnarchen zu!

Des Weiteren ist es beinahe unmöglich, sehenswerte Orte und schöne Plätze mit dem Wohnmobil anzufahren. Wir haben oft erlebt, dass gesamte Straßendurchgänge für Wohnmobile mit einem Durchfahrtsverbotsschild versehen sind, Höhenschranken aufgestellt wurden oder sonstiges eine Durchfahrt verhindert. So bleibt einem nichts übrig, als dass man sein Wohnmobil weit weg ungesichert irgendwo parken muss, um dann kilometerweit laufen zu müssen, um eine schöne Stelle zu erreichen. Das macht man vlt. ein-zweimal und dann nicht mehr. Für normale Fahrzeuge sind diese Straßen weiter frei passierbar.

Wildcampen in Portugal mit Wohnmobil verboten

Fazit: Freistehen als Camper in Portugal

Ich hoffe, wir konnten mit unserem Artikel etwas Licht ins Dunkel bringen, wenn ihr bald nach Portugal mit dem Wohnmobil aufbricht. Wie erwähnt, ist das Freistehen in Portugal verboten, diese Freiheit ist dahin. Wer in Zukunft nach Portugal mit dem Wohnmobil möchte, kann das nur, wenn er auf dafür vorgesehen Stellplätzen steht, das auch nur maximal 48 Stunden oder sich auf Campingplätze begibt, was natürlich um einiges kostenintensiver wird.

Nichtsdestotrotz ist Portugal ein schönes Land, das man mit dem Wohnmobil gut bereisen kann, in dem es oft Entsorgungs- und Auffüllstationen gibt und in dem sich die Kommunen bemühen, eine Lösung für die aktuelle Stellplatzproblematik zu finden.

Wie immer freuen wir uns auf eure Kommentare und wie ihr zu dem Thema steht bzw. ob ihr schon aktiv geworden seid.

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