Eine Tagesstruktur zu haben, ist auch im Wohnmobil sehr hilfreich, vor allem, wenn man mit einem Kind unterwegs ist. Wir haben gemerkt, dass es unserem Sohn sehr gut tut, wenn er weiß, wann er was machen kann. Wir haben keinen starren Plan, sondern eher eine Orientierungshilfe als Basis für den Tag. Natürlich kommt immer mal das eine oder andere dazwischen, da sind wir zeitlich flexibel. Uns geht es vielmehr darum, durch eine grobe Struktur für alle Familienmitglieder eine Transparenz zu schaffen, damit sich alle darauf einstellen können, wann „Familienzeit“ ist und wann jeder auch mal Zeit für sich hat.

So ist unser erster Programmpunkt morgens die Körperhygiene. Wir putzen uns nacheinander die Zähne, duschen uns und machen uns fertig. Anschließend macht einer von uns die Betten und der andere das Frühstück, wobei unser Sohn je nach Interesse mithilft. Danach frühstücken wir gemeinsam.

Nach dem Frühstücken ist Aufräum- und Spielzeit. Bei gutem Wetter machen wir es immer so, dass wir uns aufteilen. Einer macht drinnen das Frühstücksgeschirr weg und putzt einmal durch, der andere kümmert sich um die Angelegenheiten im Freien. Unser Sohn spielt während dieser Zeit mit Lego oder Duplo, untersucht andere Spielsachen oder probiert irgendetwas Neues aus. Das passiert dann meistens in der Spielecke im Wohnmobil oder direkt draußen vor der Tür.

Danach gehen wir mit ihm draußen etwas Spielen oder unternehmen gemeinsam etwas. Je nach Ort und Laune. 

Gegen Mittag wird gemeinsam das Essen vorbereitet und gegessen, danach darf der Kleine ein Mittagsschläfchen machen und wir haben für uns eine kleine Pause. Je nachdem wie der Tag bis dahin verbracht wurde, unternehmen wir nachmittags nochmal etwas, lesen/lernen oder basteln was, spielen gemeinsam oder verbringen die Zeit draußen.

Danach gibt es noch ein Abendessen und wenn es die Zeit hergibt, Medienzeit für den Kleinen. 

Eine Tagesstruktur ist definitiv hilfreich beim Reisen und Leben im Wohnmobil, jedoch sollte man diese nicht mit einem gewöhnlichen Alltag – wie man ihn aus der Wohnung kennt – vergleichen. Die Uhren ticken unterwegs ganz anders und die Zeiteinteilung variiert ebenfalls. 

1. Bedürfnisorientierter Alltag auf Kleinkind ausgerichtet

Unser gesamter Alltag ist eigentlich bedürfnisorientiert auf den Kleinen ausgerichtet. Wir beide haben nur Freizeit oder Arbeitszeit, wenn der Kleine schläft. Das ist meistens morgens früh – wenn man etwas früher aufsteht; dann nachmittags, wenn er ein Mittagsschläfchen hält oder abends, wenn er im Bett eingeschlafen ist. Dazwischen geht nur was, wenn ein Elternteil seine Zeit mit dem Kind verbringt, damit der andere wichtige Aufgaben erledigen kann.

Nicht nur unsere Zeit ist dem Kleinen gewidmet, sondern sehr oft auch unsere Reiseziele. So versuchen wir so oft es geht, unterwegs Spielplätze anzufahren, wenn wir welche auf der Karte auf unserer Reiseroute entdecken. Spielplätze bieten ihm immer eine gute Bewegungsmöglichkeit und ermöglichen Kontakt zu gleichaltrigen Kindern. Neben den Spielplätzen werden auch Kinderparks oder sonstige Attraktionen angefahren, wenn die Zeit, das Budget und der Fahrtweg es zulassen. 

Das Gleiche gilt auch für die Campingplätze bzw. Wohnmobilstellplätze. Wir achten darauf, Campingplätze anzufahren, die für Kleinkinder geeignet sind. Es gibt große Unterschiede. So sind manche mehr auf Kinder ausgerichtet, manche neutral und wieder andere nur gut für Rentner bzw. für Kinder sogar verboten.

2. Ruhezeit für ein Elternteil einplanen

Es ist kein Geheimnis, Kleinkinder können ziemlich anstrengend sein. Insbesondere dann, wenn man selbst entweder noch eine Aufgabenliste abzuarbeiten hat oder einfach nur etwas Ruhe braucht.

Was an einem festen Standort die Oma, Opa, Tanten oder Freunde für einige Stunden übernehmen können bzw. der Kindergarten, ist in einem Wohnmobil nicht möglich. Deshalb muss hier immer einer der Partner einspringen, solange sich der Kleine noch nicht über längere Zeit auch mal selbst beschäftigen kann.

Wir machen es dann meistens so, dass ein Partner mit dem Kleinen etwas unternimmt, damit der andere Partner Zeit für sich hat. Zeit für sich zu haben, um einfach abzuschalten oder irgendwelche Aufgaben abzuarbeiten, ist wichtig und trägt zur Gesundheit bei. Deshalb sollte man diese für beide Elternteile auch als Routine einige Male pro Woche einplanen, wenn die Situation es ermöglicht. 

3. Tipps zur Routine für die Eltern im Wohnmobil

Damit das Leben im Wohnmobil Spaß macht und nicht in Chaos und Stress ausartet, sollte man unbedingt versuchen, als Elternteil einige Tipps zu beherzigen.

Erst einmal sollte man sich wieder in seine Kindheit versetzen und sich erinnern, wie man als Kind morgens mit voller Energie aufgestanden ist und bereit war, die Welt zu entdecken und zwar mit vollem Elan. Das Gleiche erwartet ein Kleinkind jeden Morgen von seinen Elternteilen, es möchte jeden Tag aufs Neue die Welt mit voller Energie entdecken und erkunden dürfen. Das kann für die Eltern manchmal herausfordernd sein, da man ja noch andere Aufgaben erledigen muss.

Deshalb sind hier einige gute Tipps dazu:

1. Versucht nicht, abends zu spät ins Bett zu gehen, damit ihr morgens fit für die Kleinen seid. Wenn man abends noch zu lange arbeitet oder einfach nur zu lange Fernsehen schaut bzw. im Bett am Handy hängt, dann wird sich das am nächsten Morgen rächen, wenn der Kleine an einem zerrt und man selbst todmüde ist. Man sollte morgens genauso fit sein, wie sein Kind. Dann macht der Tag für alle mehr Spaß.

2. Wenn man keine Ideen mehr hat, was man im Wohnmobil noch machen soll, dann sind Spazieren gehen oder Fahrradfahren immer eine willkommene Abwechslung. Bewegung und neue Gegenden entdecken tut allen gut.

3. Versucht die Routinen aufrechtzuerhalten, denn Kinder bemerken sehr schnell, wenn man davon abweicht. Werden Zeichentrickfilme eigentlich aus Überzeugung abends geschaut, dann sollte man nur selten eine Ausnahme machen und dies beispielsweise nachmittags tun. Es ist auch ratsam, am nächsten Tag wieder zum Gewohnten zurückkehren, damit sich die Ausnahme nicht manifestiert.

4. Schnell Reisen und Leben im Wohnmobil bedeutet Stress

Das Erste, was man beim Reisen und Leben im Wohnmobil lernen muss, ist Entschleunigung. Runterkommen, nicht mehr rennen, keiner verfolgt einen mehr, man hat Zeit. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass man kein Pauschaltourist mit festem Urlaubsende und begrenzter Aufenthaltsdauer ist. Man ist jetzt Langzeitreisender, man muss nicht alles fotografieren und von einem Ort zum nächsten hetzen, man muss auch nicht jede Stadt und jeden Felsen, jeden See oder Strand besucht haben. Man kann einfach mal genießen! Man hat auch keine zwei oder drei Wochen Zeit, man hat Monate oder Jahre. Das ist ganz wichtig zu verstehen, damit das Langzeitreisen und Leben mit Kind nicht in Stress übergeht.

Wir haben festgestellt, je schneller wir unterwegs sind, desto schwieriger ist es, einen einigermaßen funktionierenden Alltag aufzubauen und desto höher ist auch der Stress. Nur in Ausnahmesituationen sollte man zum Beispiel jeden Tag den Platz wechseln. So eine Situation entsteht, wenn man eine lange Fahrt vor sich hat oder der Übernachtungsplatz nichts für einen ist.

Man muss lernen, sich langsam fortzubewegen, so sollte man maximal alle zwei Tage weiterfahren. Wir haben festgestellt, dass zwei Tage eine gute Formel darstellt, um flott, aber dennoch nicht zu stressig ein Land zu erkunden und dennoch am Zielort anzukommen. Viel entspannter wird es, wenn man wöchentlich den Platz wechselt. So sieht man etwas mehr von der Gegend, lernt auch mal die eine oder andere Person kennen, das Kind hat auch Zeit zum Spielen und man selbst ist viel entspannter.

Das Maximum liegt bei uns aktuell bei drei Monaten an einem einzigen Ort. Dann werden wir langsam „nervös“ und freuen uns auch wieder richtig auf die Weiterfahrt. Wir haben bemerkt, dass man bereits nach vier Wochen den Ort immer mehr kennt, die Leute fangen an, einen zu grüßen, die Kinder lernen jede Ecke langsam kennen und es entstehen erste soziale Verbindungen und evtl. kleinere Freundschaften. Nach zwei oder drei Monaten sollte man dann schonmal langsam weiterziehen. Da man ja ansonsten schon langsam sesshaft wird und interessanterweise sehr schnell auf Ideen kommt, was man alles kaufen muss, um an dem Ort zu leben.

Fazit zur Tagesstruktur im Wohnmobil mit Kleinkindern

Eine Tagesstruktur dient in allen Lebensbereichen als kleiner Anker, als Sicherheit bzw. als Pfad um durch den Tag zu kommen, was dennoch nicht bedeuten soll, dass man nicht flexibel und spontan sein soll. Vor allem beim Reisen im Wohnmobil mit Kleinkind wird man sehr oft sogar „gezwungen“, spontan auf die eine oder andere Situation zu reagieren, aber genau das ist es, was ein Leben zum Abenteuer macht und es lebendig werden lässt. Deshalb viel Spaß beim Reisen mit Tagesstruktur, etwas Spontanität und einem Hauch Gelassenheit.

Wie immer freuen wir uns über eure Kommentare und Erfahrungen zu diesem Thema.

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