Als Familie im Wohnmobil zu leben zwingt einen auch dazu, minimalistisch zu leben. Der Platz im Wohnmobil ist begrenzt, das Gewicht ebenfalls und der Geldbeutel sowieso. Der minimalistische Lebensstil wird früher oder später einziehen und definitiv hier und da wahrscheinlich erstmal für ein bisschen Ärger, aber dann auch für Erkenntnis sorgen.  

So kann man zum Beispiel zwanzig Paar Schuhe, fünf Hosen oder drei Jacken, 20 T-Shirts etc. im Wohnmobil getrost vergessen. Denn dafür sind weder genug Platz- noch Gewichtsressourcen frei. Diese Ansammlungen gehören im Wohnmobil also der Vergangenheit an. Am interessantesten finden wir, dass uns Sonderangebote oder Kaufrausch-Tage wie Blackfriday und andere Konsum-Events kaum mehr betreffen.

Was nicht heißt, dass wir uns nicht manchmal dabei ertappen, dass wir ein Sonderangebot super finden und einfach zugreifen ohne nachzudenken – der Kauf-Reflex ist dann manchmal leider doch schneller als das Gehirn ;). Aber vor der Kasse fragen wir uns meist selbst, ob wir es überhaupt brauchen bzw. ob es überhaupt noch Platz dafür gibt im Wohnmobil.

Immer wenn wir einkaufen, wird uns klar, wie viele Dinge und Sachen wir vorher gekauft haben, die wir jetzt einfach nicht mehr brauchen. Wir finden unterwegs keine Verwendung dafür und laufen deshalb sehr oft einfach an den Regalen vorbei und kaufen nichts. So haben wir im Wohnmobil ja keinen Garten, das ganze Blumenzeug fällt also weg, wir haben auch keinen Platz für Fitnesszubehör, das sowieso meistens in irgendeiner Ecke herumgelegen hat, wir können keinen Technikraum einrichten, und und und… Natürlich gibt es dafür andere Sachen, die wir für unser Wohnmobilleben brauchen, aber diese sind sehr begrenzt.

Lustig finde ich immer, dass aus meiner Sicht, also aus Männersicht, meine Frau des Öfteren Zeug kauft, das für mich echt unnötig in einem Wohnmobil erscheint. Deko und so. Sie argumentiert dann immer mit dem Persönlichkeits- und Gemütlichkeitsfaktor. Nun gut. Da ich weiß, dass meine Frau, was meine Einkäufe betrifft, manchmal dasselbe denkt, versuchen wir immer einen Kompromiss anzustreben. Das führt auf dem Weg dahin zu interessanten Diskussionen und am Ende zu manch erkenntnisreicher Einsicht. 

Verschwenderisch wird man dadurch jedenfalls nicht, sondern im Gegenteil, sehr fokussiert. Dieses Verhalten führt dazu, dass man auch automatisch mehr Geld im Geldbeutel hat.

Wenig Platz bedeutet weniger Konsum, weniger Putzen, mehr Lebenszeit!

Wenig Platz (Stauraum) hat so seine Tücken, manchmal braucht man einfach Platz, weil man dies und das unbedingt haben möchte, weil man daran hängt, weil es Nutzen bringt oder, oder, oder … Man findet fast immer einen Grund, warum man etwas braucht ;).

Aber wenn es nicht anders geht und der Platz tatsächlich begrenzt ist, dann lernt man sehr fokussiert zu leben. Es werden keine Sachen doppelt gekauft, es wird kein Billigschrott gekauft, es wird nichts Unnötiges gekauft. Das ist schonmal der erste Effekt im Wohnmobil. Ich muss zugeben, dass es manchmal auch nerven kann, weil man dies und das machen möchte, aber es aus Platzgründen einfach nicht geht. Vor allem, wenn man soviel auf den Reisen sieht und erlebt, aber man nichts mitnehmen kann außer einigen Fotos und den Erinnerungen. Dennoch lernt man damit umzugehen und profitiert irgendwann von der gewonnen Zeit. 

Der zweite tolle Effekt ist, dass man durch den wenigen Platz auch mehr Zeit hat. So entfällt das Putzen zum großen Teil. Man muss keine große Wohnung oder gar ein Haus mehr wöchentlich putzen, sondern nur noch das Wohnmobil. Das machen wir täglich nach Bedarf, damit es in unserem Zuhause auf Rädern immer sauber und aufgeräumt bleibt, aber es ist bei Weitem nicht mehr so zeitintensiv wie in der Wohnung, da sich der Platz einfach deutlich reduziert hat. Dadurch erhält man mehr Lebenszeit für andere schöne Dinge im Leben. 

Kleinkinder werden zu Mini-Minimalisten im Wohnmobil

Auch Kleinkinder bekommen nicht so viele Spielzeuge gekauft oder geschenkt, da einfach kein Platz dafür vorhanden ist. So mussten wir schon sehr oft die Omas und Opas damit vertrösten, dass dies und jenes unterwegs einfach nicht geht. 

Klar würde sich ein Kind kurzfristig bestimmt über das ein oder andere Konsumgut mehr freuen, aber die Natur und das Reisen wiegen es wieder auf. Wir sagen immer: Das beste Spielzimmer ist die Natur direkt vor dem Wohnmobil. Wir finden es immer interessant zu beobachten, wie sich unser Sohn seine Spielzeuge in der Natur findet und mit Steinen, Stöcken, Muscheln und Blättern ganze Geschichten nachspielt. Natürlich hat er auch Spielzeuge aus dem Geschäft, wie zum Beispiel eine Spielkiste mit Fahrzeugen, Strandspielzeug wie Schaufeln, Eimer und Formen, aber die beachtet er manchmal gar nicht. Vielmehr werden Naturmaterialien, Tiere und Pflanzen neugierig erkundet und untersucht. Aber nicht nur Naturmaterialien, Tiere und Pflanzen, sondern auch die Naturkräfte wie Wind, Feuer, Wasser und Erde dienen bei gutem Wetter als toller Zeitvertreib und schärfen die Sinne. Oft versuchen wir auch beide Bereiche (also Natur und Konsum) miteinander zu verknüpfen und malen zum Beispiel Steine und Muscheln mit Wasserfarben an, basteln daraus etwas oder nutzen sie anderweitig, beispielsweise als Lernmaterial. Das Gute dabei ist, dass sie nach ihrer Verwendung keinen Müll hinterlassen, sondern einfach wieder zurück in die Natur gegeben werden können.

Wenn die Eltern einwenig kreativ mitmachen und die Kinder auf Ideen bringen, dann gibt es unendlich viele Möglichkeiten, was man draußen alles machen kann. 

Dabei ist das Schöne, dass sich die Kinder nicht nur beschallen lassen, sondern sich vielmehr aktiv mit etwas beschäftigen und auseinandersetzen und dadurch das Denken lernen. Fernseher, Computer oder überhaupt irgendwelche Medien sind in vier Wänden schwer einzugrenzen, da diese ständig präsent sind und die Natur dabei manchmal so weit weg erscheint. Im Wohnmobil ist das einfacher, da prallen die Umgebung und die Natur auf einen ein und man findet Medien nur selten interessanter, sondern verbringt die Zeit lieber draußen – gemeinsam! 

Es hat also seine positiven Seiten, wenn Kleinkinder nicht mit Unmengen an Konsum überhäuft werden.

Wenn man dennoch mal gezwungen ist längere Zeit im Wohnmobil zu verbringen, weil das Wetter nicht mitspielt oder eine längere Fahrt ansteht, dann bedeutet es nicht, dass man Langeweile haben muss. Was man da alles machen kann, könnt ihr im vorherigen Kapital nachlesen: 2. Spielen und Beschäftigung im Wohnmobil mit Kleinkind.

Fazit zum Minimalismus im Wohnmobil

Wie man sieht zwingt einem ein Leben im Wohnmobil nahezu zum Minimalismus. Man hat viel weniger Zeugs, um das man sich sorgt oder das man kaufen und aufbewahren muss. Dadurch werden andere Ressourcen frei wie zum Beispiel Zeit und Geld. 

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