Ein Leben im Wohnmobil ist ein sehr erfülltes Leben. Es kommt kaum Langeweile auf und man hat immer etwas zu tun. Entweder man bastelt am Wohnmobil herum, baut die neuesten Gigs ein, beschäftigt sich mit der Natur und Kultur in der Umgebung oder plant die weitere Reiseroute.

Wenn man wie wir ein Kind dabei hat, verbringt man mit ihm die meiste Zeit. Wir erkunden gemeinsam die Welt um uns herum und verarbeiten die vielen neuen Eindrücke. Dabei stellt sich schnell die Frage: Wann findet man noch Zeit, um auch mal was zu arbeiten? 

Stress und zu viele Ziele im Wohnmobil vermeiden

Es ist wichtig, das man sich zu Beginn keinen Stress macht und nicht zu viele Ziele setzt. Das Wohnmobilleben als Familie muss sich erst einmal einspielen. Die Routinen müssen entstehen, die Reisegeschwindigkeit muss sich anpassen und man selbst als Partner und Familie muss sich ebenfalls eingewöhnen und lernen, auf dem engen Raum miteinander zu leben.

Wenn man sich für die Ein- und Umgewöhnung nicht genug Zeit gibt und sofort so weiterarbeitet, wie man es vielleicht aus seinem altem Leben aus dem Büro gewohnt ist, dann führt das sehr schnell zu Stresssituationen, Streitereien und Unzufriedenheit.

Auch die neu gewonnene Freiheit kann erst einmal belastend wirken, da man jetzt nicht nur selbst bestimmen darf, sondern selbst bestimmen MUSS. Mit dieser Übernahme von Verantwortung machen manche von uns unterwegs vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben Erfahrung. Aber nicht nur die Zeiteinteilung erfolgt jetzt selbstbestimmt, sondern man kann auch den Ort  frei wählen, an dem man steht um zu arbeiten. Das heißt, man ist ständig in Bewegung, die Routine fehlt noch und unser Innerstes ist erst einmal durcheinander. Viele sind damit überfordert und brechen deswegen schon nach wenigen Wochen oder Monaten das Leben im Wohnmobil ab. Das ist auch völlig in Ordnung, denn wir sind alle verschieden und das Leben im Wohnmobil ist nunmal nicht für jeden geeignet.

Für all diejenigen, für die der Reisealltag zwar eine Forderung, aber keine Überforderung darstellt und die deshalb am Reiseleben festhalten und auch vorhaben, unterwegs zu arbeiten, haben wir folgenden Tipp: Am besten fängt man nach circa vier Wochen an, sich ein wenig kleinere Ziele einzuplanen, die man mit wenig Zeitaufwand abarbeiten kann. Das Ganze versucht man entweder abends vor dem Schlafengehen zu machen oder morgens, wenn der Partner/die Partnerin und das Kind schon oder noch im Bett sind.

So bekommt man schnell ein Gefühl was funktioniert und was nicht. 

Wenn man zum  Beispiel morgens um 6 Uhr aufsteht und zwei Stunden arbeitet und abends von 20 bis 23 Uhr was arbeitet, hat man schonmal fünf Stunden Arbeitszeit pro Tag. Natürlich klappt es nicht immer, aber es wird sich einspielen und immer besser funktionieren. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ich morgens effizienter arbeite als abends, da ich noch frisch im Kopf bin.

Die Arbeit ist nicht mehr der Mittelpunkt im Leben

Man muss verstehen, dass unterwegs die Arbeit nicht mehr der Mittelpunkt des Lebens ist. Der Mittelpunkt verschiebt sich nun auf die Familie, das Reisen und auf die fremden Menschen und die Kulturen. Der Fokus konzentriert sich jetzt also im Grunde auf das Leben selbst.

Die Arbeit hat nur noch eine Nebenfunktion, die dazu dient, das genügend Geld reinkommt, um sich ein freies Leben zu ermöglichen. Man braucht kein Haus, kein neues Auto, keine Waschmaschine und schon gar nicht den dritten Fernseher.

Obwohl das neue Leben was Gutes ist und man viel Freiheit gewonnen hat, macht es dem einen oder anderen massiv zu schaffen, dass man nun nicht mehr so viel arbeiten muss oder kann. Für viele stellt die Arbeit schließlich auch eine Ablenkung dar, um vor sich selbst zu flüchten. Den Umgang mit sich selbst und das entspannte Leben muss man daher erst wieder lernen. Man muss lernen, dass das Leben selbst im Fokus steht und nicht die Arbeit! Das ist zugegebenermaßen gar nicht so einfach, denn unsere westliche Gesellschaft hat alles getan, damit wir ständig das Gefühl haben, arbeiten zu müssen bzw. gedanklich bei der Arbeit zu sein. Im Wohnmobil ist das anders: Hier lernt man das Leben zu leben.

Karriereleiter rückt in den Hintergrund

Natürlich kann man in gewissem Maß seine Karriere auch von unterwegs aus verfolgen, jedoch müsste man dazu vieles umstellen. Das ist weder sehr einfach bzw. in manchem Beruf auch überhaupt nicht möglich. Ich denke, fast alles, was digital erledigt werden kann, kann auch von unterwegs aus geschafft werden. Hier stellt sich noch die Frage, ob man selbstständig ist oder ob man für ein Unternehmen oder einen Vorgesetzten arbeiten muss und ob man zeitliche Verpflichtungen hat. Und, ob man das in der Form überhaupt noch möchte oder das andere Leben auch als Chance für einen beruflichen Neuanfang sieht. 

Eine große Karriere kann man unterwegs wahrscheinlich eher nicht anstreben. Wer es dennoch versucht, wird sehr schnell feststellen, dass er unterwegs an seine Grenzen stößt, dass irgendwann wieder ein Büro her muss und das weitere Dinge benötigt werden, damit das Business läuft. So wird wieder der Punkt kommen, an dem man sich entscheiden muss, ob man sich zurückfährt, um noch das freie Wohnmobilleben genießen zu können oder doch lieber wieder in die Gesellschaft, den Stress eintauchen will, um wochenlang zu arbeiten.

Damit man das freie Leben nicht aus den Augen verliert und die Arbeit einen nicht auffrisst, sollte man sich immer die Frage stellen: „Wofür arbeite ich, was ist das Ziel?, Muss ich überhaupt noch so viel arbeiten? Was ist mir wichtiger, meine Arbeit oder meine Familie? Will ich überhaupt der Arbeit so viel Zeit widmen oder doch lieber der Familie, der Freiheit? Bringt die Arbeit wirklich das Endergebnis, welches ich erwarte oder ist es Zeitverschwendung und ich kann lieber was anderes mit meiner Zeit anfangen?“.

Fazit zum Arbeiten im Wohnmobil

Um eins klar zu stellen. Langzeitreisen im Wohnmobil bedeutet nicht, nichts zu arbeiten. Arbeit ist wichtig und wir alle müssen arbeiten, um auch physisch und geistig gesund zu bleiben. Der Unterschied liegt nur darin, die richtige Balance zu finden und bewusst, bedürfnisorientiert zu entscheiden, so viel meiner verfügbaren Zeit widme ich meiner Arbeit und so viel Zeit widme ich ganz bewusst mir und meinem Leben.

Wie immer freuen wir uns über eure Kommentare und Erfahrungen zu diesem Thema.

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